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Alte Neuigkeiten aus Lippstadt, 1822 - 1825

August 1822: Das Obst ist so vorzüg­lich ge­wach­sen, daß fast jeder Baum zum Bers­ten voll hängt. Viele Eigen­tümer wis­sen nicht, wohin sie mit dem Über­fluß hin sol­len, weil ihnen für die schön­sten Äpfel der Preis von sieben bis 8 Pfennig pro Pfund nicht an­steht.

September 1822: Die Wikipediarote Ruhr hat wieder stärker um sich gegrif­fen, und mehrere Perso­nen sind an dieser Krank­heit, die sehr an­steckend ist, ge­stor­ben. Die Leichen der an dieser Krank­heit Ver­stor­benen wer­den auf Ver­anlas­sung des Kreis­physikus Dr. Mühlen­feld ohne Gefolge be­erdigt.

Dezember 1822: In der Katholischen Elementar­schule, die aus 270 Kin­dern be­steht, wird drin­gend eine zweite Lehr­kraft be­nö­tigt, da es dem einzi­gen Lehrer Knievel nicht mög­lich ist, jene Anzahl Kinder von so ver­schie­denem Alter ordent­lich zu unter­richten.

Januar 1823: Häuser und Grundstücke kommen jetzt genug zum Ver­kauf. Es finden solche aber nur Käufer zu außer­ordent­lich güns­tigen Preisen.

Juli 1823: Die Austeilung der vielen Gewerbe­scheine an herum­ziehende Musikan­ten als Orgel­dreher usw. beläs­ti­gen das Publi­kum wirk­lich sehr. Oft hat es sich ge­trof­fen, daß ein halbes Dutzend sol­cher Orgel­dreher hier an­kommt und die ganze Stadt durch­orgeln oder mit ande­rer Katzen­musik das Publi­kum be­läs­ti­gen. Viel besser als betteln ist dieser Berufs­zweig wohl auch nicht. Es ist drin­gend zu wün­schen, daß mit der Aus­tei­lung sol­cher Gewerbe­scheine spar­samer ver­fah­ren wird.

Dezember 1823: Nach einer Regierungs­verfügung ist es zwar ver­boten, daß in den Apo­theken Schnaps aus­ge­schenkt wer­den soll. Allein diese Vor­schrift wird hier, wie auch in der Um­ge­bung nicht genau be­folgt. Darum ist die Auf­recht­erhal­tung dieses Ver­botes in jeder Hin­sicht zweck­mäßig. Den Apo­thekern darf es nicht ge­stat­tet wer­den, Brannt­wein oder Likör, auch nicht in ihrem übri­gen Lokal, aus­zu­schen­ken. Sie haben ohne­hin ein sehr ein­träg­liches Ge­werbe und die Be­güns­ti­gung, daß sich nicht mehr Apo­theker in einem Ort wie nötig nieder­las­sen dür­fen, ist eine zwar nötige, aber doch immer noch große Ver­güns­ti­gung. Auch wird durch die gewöhn­li­chen Er­zäh­lungen und Mit­teilun­gen von Stadt­wenig­keiten und Lügen der Schnaps­trinker die Auf­merk­sam­keit des Apo­the­ken-Provisors und der Lehr­linge zu sehr ge­stei­gert und ihnen die so nötige Auf­merk­sam­keit eines zur Be­rei­tung vor sich lie­gen­den Rezepts, was über Tod und Leben ent­schei­den soll, ent­zogen.

Januar 1824: Diebereien sind im vergan­genem Monat außer eini­gen Holz­dieb­stählen, die auch be­straft wur­den, nicht vor­ge­kommen. Diese Be­stra­fung hat wahr­schein­lich zur Folge ge­habt, daß dem Bürger­meister Gallen­kamp zur un­nöti­gen Dank­sagung 42 der schön­sten Obst­bäume auf seinem Garten, die be­reits 50 Jah­re ge­stan­den haben, rein­weg ab­ge­sägt wor­den sind, so daß die­selben ab­ster­ben müs­sen. Es ist dies eine trau­rige Er­fah­rung, die ein recht­schaf­fener Beamter machen muß, der das Un­glück hat, der Polizei­verwal­tung vor­zu­stehen.

August 1824: Die jetzige Methode, viele Blut­egel als Arznei äußer­lich zu ge­brau­chen, führt viele Perso­nen, sogar aus ent­fern­ten Gegenden, nach Lipp­stadt, um die Blut­egel hier auf­zu­kaufen.

Oktober 1824: Einem hiesigen Krämer namens Damm wurden 200 Reichs­taler ent­wen­det, und zwar aus einem unver­schlos­senen Koffer, wel­cher auf sei­ner Kammer stand, die eben­falls nicht ver­schlos­sen war. Der ehr­liche Dieb, dem wohl das Gewis­sen pochte, hat zwei Nächte nach dem Dieb­stahl 60 Reichs­taler in einen Lein­wand­beutel ge­wickelt und dem Eigen­tümer wie­der durch ein Fenster ins Haus ge­wor­fen.

Februar 1825: Eine Abteilung der konzes­sio­nier­ten Richter­schen Schau­spieler­gesell­schaft will einige Wochen lang hier­selbst thea­tra­li­sche Vor­stel­lun­gen geben. Die Stadt­behörde hat dies nicht ver­sagen kön­nen und mögen. Es wer­den die­selben aber sehr die schlech­ten Ver­hält­nisse der hiesi­gen Ein­wohner zu be­mer­ken Gele­gen­heit ha­ben.

Mai 1825: Die hiesigen Lohgerber haben zu Braun­schweig eine mittel­mäßige Messe ge­hal­ten. Es ge­hört aber das hie­sige Kalbs- und Rinds­leder auch mit zu dem vor­züg­lich­sten, was in Deutsch­land auf den Markt kommt und teils dem sehr weichen Was­ser der hie­si­gen Lippe, teils der vor­züg­li­chen Be­rei­tung der hie­si­gen Gerber zu­zu­schrei­ben ist.

Quelle: Buch „Bilder aus der Biedermeier­zeit in einer kleinen Stadt“, von Carl Laumanns, 1958. Abgetippt von Wernig Hennig. Die Schreib­weise ent­spricht der dama­li­gen Form.
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