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Zeitleiste zur Stadtgeschichte von Lippstadt in Westfalen

Knapp notiert und gut sortiert: Aus meiner Sammlung an Notizen habe ich folgen­de Zeit­tafel mit über 220 aus­führ­li­chen Einträ­gen zu­sammen­gestellt, darin 380 Er­eig­nisse aus der Zeit von 1090 bis 2025.

Aus der jüngeren Geschichte habe ich ab­sicht­lich auch ein paar popu­läre Sachen mit auf­ge­nommen, die ein Histo­ri­ker wahr­schein­lich nicht in eine Stadt­chronik schrei­ben würde.
Obwohl es schon recht umfang­reich ist, bitte mir gerne Ergän­zun­gen, Korrek­turen und Vor­schläge per E‑Mail schicken, denn jeder kennt andere Aspek­te aus der Stadt­geschich­te und kennt viel­leicht weite­re nennens­werte Ereig­nisse. Vielen Dank!


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Zeittafel über Lippstadt

um 1090Geburt von Bernhard I. zur Lippe (Onkel von Bernhard II.) und Hermann I. (Vater von Bernhard II.) - erste schrift­lich er­wähnte Namen der Edel­herren zur Lippe; wahrschein­lich längere Adels-Vor­geschich­te: vermute­ter Ur­sprung aus unter­gegan­ge­nem Haus der Grafen von Werl-Arnsberg
1140Haus für Frauen/Nonnen (Frauenkonvent) an einer "capella", um 1150 Kloster Cappel ge­gründet, Grund­ausstat­tung ge­stiftet von den Edel­herren zur Lippe; 1588 um­ge­wandelt in evan­geli­sches Damen­stift; heute Berufs­kolleg Stift Cappel
1177Zerstörung der Nicolai-Siedlung durch Kurköln (evtl. aus Rache, nachdem Bernhard II. den Löwenberg besetzt hatte?)
1182Wiederaufbau der Nicolai-Kirche
1185Gründung der „Stadt zur Lippe“ (Lippstadt) durch Bernhard II. zur Lippe, siehe Mantel-Anekdote, als erste Planstadt in Westfalen
1185Bernhard II. stiftet seinen Hermeling­hof zum Bau eines Nonnen­klosters (Augustiner-Chorfrauen-Stift); gestiftet wurde um ein gott­gefälli­ges Werk zu tun; ab 1250 Bau einer größe­ren Stifts­kirche (wird 1846 zur Stiftsruine)
um 1190Baubeginn der Marienkirche als Marktkirche
1190Bernhard II. gründet auch die Stadt Lemgo
1209Burgmühle errichtet, wahrschein­lich als Getreide­mühle, über 790 Jahre in Betrieb (bis 2003), weiter siehe Eintrag von 1860
1209Erster Stadtbrand
um 1220Lippstädter Stadtrechts-Urkunde, Vorlage für weitere Städte (Stadtgründungs­welle 1220 bis 1350)
um 1220Marienkirche unfertig von Bernhard II. geweiht, in seiner neuen Eigen­schaft als Bischof von Selonien (Livland)
ab 1231Münzmeister in Lippstadt prägen englische Münzen nach, ab Mitte des Jh. auch eigene Münzen mit Lipperose, Lippstädter Pfennig 1290-1310
um 1240Baubeginn der Jakobi-Kirche
um 1250Epos „Lippiflorium“ von Schul­leiter Justinus veröffent­licht, Lob­gedicht auf die Familie des Stadtgründers
1253Handelsbund: Lippstadt im „Werner Bund“ zusammen mit Soest, Dortmund, Münster und 1264 Osnabrück
ca. 1280Lippstadt wird Mitglied der Hanse (aus Kaufmanns­hanse ent­wickelt sich Städtehanse), 1540: Lippstadt wird Prinzipal­stadt der Hanse, bis Ende der Hanse 1669
1281Baubeginn der Brüderkirche für das im Vorjahr gegrün­dete Augustiner-Eremiten-Kloster
1310Zweiter Stadtbrand
1347Erste Beulenpest-Welle erreicht Westfalen, Paderborn stark betrof­fen; z.B. im Kloster Liesborn sterben 12 Mönche und 8 andere.
Durch regel­mäßige Epidemien im Abstand von 10 bis 15 Jah­ren stag­niert das Bevölkerungs­wachstum.
1365Erwähnung des Siechenhauses St. Matthiae (heute Siechenkamp) erhält jähr­liche Rente für Arme/Kranke. Zweites Siechenhaus und Spital am Klusetor
1376Verpfändung der Stadt Lippstadt an Engelbert von der Mark, damit Simon III. zur Lippe das Löse­geld für seine Freilas­sung von Burg Rheda bezah­len konnte (Tecklen­burger Fehde)
um 1400vermutlich Gründung einer Schützen­gesellschaft; Fahne nennt Jahr 1532; das Lipp­städter Schützen­kleinod von 1532 ist das älteste West­falens (Ehrenpreis für den besten Schützen)
1431Frauenkloster St.-Annen-Rosen­garten an Kloster­straße ge­gründet durch Kloster Böddeken, 1526 Beet­saal zu Kirche mit Chor umge­baut, 1813/1815 Auflö­sung des Klosters und Abriss der Kirche, 1982 graben Archäo­logen die Grund­mauern des Klosters aus, Umwandlung in Park
1435Zunft der Wollenweber als erstes Handwerks-Amt erwähnt
1444-49Soester Fehde: Lippstadt unter­stützt Soest gegen Kurköln, Wechsel von Lipp­stadts Verpfän­dung zur Samtherrschaft über Lippstadt 1445
1449Zur Unterhaltung der Stadtbefesti­gung er­laubt der Herzog von Cleve der Stadt Lipp­stadt Warenzölle und Wege-/Brücken­geld zu erheben
1478-1506Bau des neuen großen Chor-Raums (Hallen­umgangs­chor) der Marienkirche
bis 1520Bernhard Witte schreibt „Historia Westphaliae“, erstmals zusammen­hängen­de Landes­geschich­te Westfalens
1524Beginn der Reformation in Westfalen durch Predig­ten des Lipp­städ­ter Augustiner-Mönchs Dr. Johan­nes Wester­mann in der Brüder­kirche. Seine gedruckten Fasten­predig­ten sind das erste evange­lische Buch West­falens („Lipp­städter Katechis­mus“) - das erste deutsch­sprachi­ge Lehr­buch - und machen Lipp­stadt zu einem der ersten Druckerei-Standorte Westfalens
1531Totale Verkehrs- und Handels­sperre über Lipp­stadt ver­hängt, nach Streit mit den Landes­herren zur Lippe und von Kleve, weil ohne deren Erlaub­nis der Lipp­städter Rat den protes­tan­ti­schen Predi­ger Oemeken einge­stellt hatte. 1532 steht Lipp­stadt vor dem Ruin, kapitu­liert 1533 und nimmt die klevi­sche Kirchen­ordnung an, aber Gottes­dienste weiter­hin auf deutsch gehal­ten. 1535 musste Lipp­stadt alle kirch­li­chen Neue­rungen zurück­nehmen.
1538Lutherische Kirchen­ordnung in der Graf­schaft Lippe einge­führt; nach Augs­burger Religions­friedens von 1555 bestimmt Graf Simon VI. 1605 die Reforma­tion für ganz Lippe
1539Johannes Kruyshaer (Cincinnius), geb. 1485 in Lipp­stadt, über­setzt als Erster die ver­ges­sene Varus­schlacht auf deutsch (Arminius, 16 n.Chr.), aber fehl­interpre­tiert dass die Schlacht gegen die Römer in einem Wald bei Riet­berg statt­ge­fun­den habe. 1863 spen­den reiche Lipp­städ­ter 30 Taler zum Bau des Hermanns­denkmal, auch der Magis­trat steuert 25 Taler bei
1541Geburt von David Gans in Lippstadt, jüdi­scher Astronom und Universal­gelehr­ter, schreibt über Welt­modelle nach Brahe (befreun­det in Prag) sowie Kopernikus und Kepler
1555aus Lateinschule wird Lutherisches Gymnasium, aber bis 1729 bleibt Latein die Unter­richts­sprache; heute Ostendorf-Gymnasium
1593Städtische Ziegelei am Cappel­tor er­wähnt als Hinrich Qualenbrink der Stadt 2 Morgen Land am Rossfeld (Rose's Feld) zur Lehm-Abgrabung verkauft
1616Stadt erstmals als „Lipstat“ bezeich­net, zuvor immer „Stadt Lippe“ oder „Stadt zur Lippe“ (niederdeutsch „Stadt tor Lippe“)
1617Caspar Ulenberg, geb. 1549 in Lippstadt, war zur katholi­schen Kirche konver­tiert und stellt 1617 seine Über­set­zung der Bibel ins Deut­sche fertig, als Gegen­pol zur Luther-Bibel, nun mit katho­li­schen Formu­lie­run­gen (Gegen­refor­mation)
1619Bau von Schloss Overhagen (ersetzt Burg, jetzt Lippe-Renaissance), 1648 Schloss Helling­hausen, 1720 Schloss Herring­hausen / Schlösser der Familien­zweige des Adels­geschlechts von Schorlemer / Schloss Helling­hausen 1820 abge­brannt und nicht wieder aufgebaut
1621Herzog Christian von Braunschweig (der „tolle Christian“) richtet im befestig­ten Lipp­stadt sein Haupt­quartier ein und be­mächtigt sich der Burg Lipperode. Seine Truppen plün­dern Paderborn und Münster. Eventuell wurde Lippstadt zur Münz­prägestätte seines Pfaffenfeind­talers.
1623Sechswöchige Belagerung der Festungs­stadt Lippstadt durch Truppen der Katholi­schen Liga (Dreißigjähriger Krieg 1618-1648)
1625Erster Apotheker urkundlich erwähnt
1630Die 18-jährige Anna Maria Crevet wird aus Lippstadt fort­ge­schafft, um hier dem Hexen­verfol­gungs­wahn zu ent­kommen. Sie über­lebte in Magde­burg und ist eine Vor­fahrin des berühm­ten Erfin­ders Werner von Siemens (1816-1892)
1630Hexenverfolgung: 23 weibliche und 6 männ­liche Ange­klagte sind der Hexe­rei schul­dig ge­spro­chen und mit dem Schwert hinge­rich­tet wor­den.
2015 hat der Stadt­rat in einem symbo­li­schen Akt alle 29 in Lipp­stadt Hin­ge­rich­te­ten for­mell als unschul­dig rehabi­li­tiert.
1642Dritter Stadtbrand: durch Blitzeinschlag in gefüllte Scheune, ein Drittel aller Häuser in Lipp­stadt abge­brannt / Nächster Stadt­brand folgt in 14 Jahren
1656Vierter Stadtbrand: wieder durch Blitz­einschlag, während ein Groß­teil der Lippstäd­ter zur Jakobi-Kirmes nach Mastholte gegan­gen war, brannten zuhause 336 Häuser ab, bei Rückkehr „die Ihrigen arm und bloß antrafen“
1673Fleckfieberseuche, übertragen durch Kleiderläuse, Lippstadt: von ursprüng­lich 3.000 Einwoh­nern wurden „2.000 Seelen begraben“
1676Fünfter Stadtbrand
1706Gouvernements­gebäude (der Landes­verwaltung) gebaut, hinter Brüder­kirche wo zuvor Kloster war, ab 1828 als Kaserne genutzt, 1906 abge­rissen um Platz für die Wilhelm­schule mit Turn­halle zu machen (heute Schule im Grünen Winkel)
1710Erste Lippstädter Zeitung, herausgegeben vom Lippstädter Postmeister Pöppelmann (wöchentliche Post-Zeitung), Informations­quelle waren womög­lich die reiten­den Postillione, angeblich älteste Zeitung zwischen Rhein und Weser, eine der meist­gelesenen Zeitungen Westfalens
1734Braurecht für Familie Nies, ab 1801 im „Alten Brauhaus
1757/58Besetzung der Stadt durch die Franzosen, Siebenjähriger Krieg (1756-1763)
um 1760Stärkste Stadtbefestigung: Stadtmauer, Wälle, Gräben und vorge­lagerte Posten auf 200 m Breite rund um ganz Lippstadt
1763Schleifung der Festungswerke, Demilitari­sierung der Städte nach dem Sieben­jährigen Krieg auf Anord­nung des Königs Fried­rich II. von Preußen, 600 Pioniere aus Minden wurden ein­quar­tiert und erledig­ten monate­lang den Abriss
1764Explosion des ehemali­gen franzö­si­schen Pulver­schuppens, zwei zündeln­de Jungs sterben; Schäden an Jakobi­kirche konnten nicht repariert werden, so dass sie über lange Zeit zerfiel; 1834 Abriss der Jakobi­kirche durch Proteste ver­hindert
1773/74Neubau des Rathauses, nachdem erstes Rathaus wahrschein­lich schon 550 Jahre alt war
1777Lippstadt wird als wichtigs­tes Grenz­postamt zwischen Preußen und Taxis er­wähnt: die Briefe aus dem Reich, der Schweiz und Italien nach Westen und Ostfries­land mussten sämt­lich über Lipp­stadt beför­dert werden
1801Apothekerstreit: nach dem Sieben­jährigen Krieg war die Ein­woh­ner­zahl so stark ge­sun­ken, dass eine von drei Apothe­ken zu schlie­ßen habe, aber keiner wollte auf­geben, bis 1806 ein Apothe­ker ohne Voran­kündi­gung die Stadt ver­lassen hat
1800Zusatz: über Ärzte jener Zeit ist kaum etwas be­kannt, weil es nur wenige gab, wahr­schein­lich für Lipp­stadt nur 1 Physikus, und weil sie keine Praxis führ­ten, ent­weder dem Militär unter­standen oder von der Stadt auf Zeit be­stellt wurden und danach weiter­zogen; Nur zwei Bei­spiele ge­funden: um 1700 „Freiheits­anmaßungen des Physikus Dr. Fuhrmann“, d.h. er forderte evtl. Bürger­recht oder Steuer­vergüns­ti­gung; und um 1820 empfahl ein Kreis­physikus die Schließung der Stifts­kirche auf­grund pestilenz-artigen Gestanks
1806Franzosen besetzen Lippstadt erneut, nachdem Preußen Schlacht bei Jena verlo­ren hat. Napoleon besetzt Nord- und West­deutsch­land und gründet 1807 König­reich Westphalen
1807Übergabe der Nicolaikirche als einzige katho­li­sche Kirche an die neu gegrün­dete kath. Kirchen­gemeinde
1810Gewerbefreiheit: Auflösung der Zünfte (Preußische Reformen), siehe z.B. Metzgeramt
1817Gründung des Kreises Lippstadt im Regierungs­bezirk Arns­berg (gegründet im Vorjahr) in der preußi­schen Provinz Westfalen (gegrün­det 1815 nach Wiener Kongress)
ab 1820Bevölkerungswachstum in der (evangeli­schen) Stadt setzt ein, evtl. durch Zuzug aus (katholi­schem) Umland, Ursachen: Agrar­krise aber städti­scher Auf­schwung. Erstes Bevölkerungs­wachstum nach jahr­hunderte­langem Still­stand bei bisher immer rund 3.000 Ein­wohnern
1821Städtischer Friedhof an Lipperoder Straße eingeweiht, zuvor Bestattungen auf Grundstücken an den Kirchen
1826Letzter Biber an der Lippe bei Cappel erlegt, erst nach Wieder­ansied­lungen 2014 am Lippesee wieder auf­getaucht, 2022: Fischotter bei Lippetal gesichtet
1827Wiederbelebung von Schützen­kompanie (s. 1400) und Schützenfest, Gründung des Lipp­städter Schützen­vereins
1830Lippe bei Lippstadt schiffbar gemacht, ab Wesel/­Rhein bis über Lipp­stadt hinaus, Transport u.a. von Holz und Getreide, Lippstäd­ter Schiff­fahrts­kanal 1830 bis 1870 genutzt
1842Stadtsparkasse Lippstadt gegründet, anfangs Geld der Sparer in Privat­wohnung eines Rentners aufbe­wahrt, Öffnungs­zeit nach­mittags 1 Stunde. Von 1872 bis 1910 im Rat­haus unter­gebracht. Heute Sparkasse Hellweg-Lippe
1845Alexander Kisker gründet Brenne­rei mit Ver­mögen seines Vaters, ritt persön­lich zu Pferd bis ins Sauer­land um Bestel­lun­gen auf­zu­nehmen; 1872: Produk­tion 810.000 Liter Brannt­wein und Likör, 1906: Teil des Betriebs an Wieden­brücker Straße ver­legt, Marke "Auf's Blatt", Brennerei an Post­str. und Rat­haus­str. 1974 abge­rissen, 2001: Verkauf an Berkel-AHK
1846Stiftskirche wird zur Stiftsruine, Kirche seit 1820 nach Wasser­einbruch ver­lassen, 1846: Kirch­turm abge­tragen, ein Jahr­zehnt später auch das Gewölbe
1848Gründung der Tageszeitung „Der Patriot“, Verleger Carl Weinert, Markt­straße. Nach Tod über­nimmt Witwe, übergibt 1870 an neuen Ehe­mann Carl Josef Laumanns; 1984: Verlags­zentrum am Wasser­turm, Druck in Oelde, seit 1992 Druck­zentrum Soest
1849Preußische Justizreform: Lippstadt er­hält Kreis­gericht (ab 1879 Amts­gericht) und Haupt­steueramt, auch die Lippi­schen Ex­klaven Lipperode und Cappel unter­stehen dem Preußi­schen Kreis­gericht Lippstadt
1850Anschluss an die Eisenbahn: Linie Hamm-Kassel der (preu­ßisch) König­lich-West­fäli­schen Eisen­bahn-Gesell­schaft (KWE); Lippstadts Bürger­meister Bertram hatte er­reicht, dass die Bahn­linie mit einem großen Bogen an Lipp­stadt anstatt an Erwitte entlang­geführt wird
1851Konfliktfreies Ende der Samt­herrschaft von 1445: Lippstadt wird voll­ständig preußisch, nach­dem der Lipp­städ­ter Rat den König von Preußen ge­beten hat, Lipp­stadt aus dem hälfti­gen Besitz des Fürsten­tums Lippe zu kaufen, wie von Lippe ange­boten. Dafür zahlt Preußen eine jähr­li­che Rente von 9.120 Reichs­talern an Lippe. Mit einem Abschieds­brief vom 29. April 1851 ent­lässt Fürst Leopold die Stadt aus der Lippi­schen Untertanen­pflicht.
1851Cappel und Lipperode bleiben in Lippi­schem Besitz (sie waren nicht Teil des Kondomi­niums), weil mit Preußen keine Eini­gung über den Kauf er­zielt werden konnte. Somit blieben Cappel und Lipperode als Lippi­sche Ex­klaven isoliert im preußi­schen Umland (Ausland)
1851Cholera-Epidemie, aber Lippstadt mit rund 5.000 Ein­woh­nern hat kein Kranken­haus, deshalb folgen Gründun­gen 1852 und 1856
1852Gründung erstes Evangeli­sches Kranken­haus mit Waisen­haus an der Kolping­str. (Alte Soest­straße) bis 1913 auf Gelände des ehe­mali­gen Nonnen­klosters St.-Annen-Rosen­garten
1852Einweihung der Synagoge an der Stiftstraße; 1890 wohnten in Lipp­stadt 270 Juden (Höchst­stand) und 10.120 Christen
1852Höhere Töchterschule (Realschule für Mädchen) von 4 evan­geli­schen Lehrern an der Jakobi­kirche ein­ge­rich­tet, Vorläu­fer des heuti­gen Evange­li­schen Gym­na­siums (EG); Stand 1859: die Höhere Töchter­schule in Lipp­stadt war eine von nur 11 solcher Schulen in ganz Westfalen. Bildung für Mädchen war Privat­sache - wenn man es sich leisten konnte und wollte
1852Julius Ostendorf wird Rektor der höheren Schule (für Jungen), 1873: setzt sich ener­gisch für Moderni­sie­rung des Bil­dungs­systems im preußi­schen Schul­streit ein (Real­gymnasium)
1855-83Hermann Müller wird Biologie-Lehrer am Ostendorf-Gymna­sium, entdeckt Co-Evolution, in Kontakt zu Charles Darwin, 1866: sein natur­wissen­schaft­licher Lehr­plan für Preußen, Streit mit kath. Konser­va­tiven
1856Katholisches Krankenhaus an Hospitalstraße einge­richtet, nach o.g. Cholera-Epidemie
1856Peter Brülle gründet Großhandel für Saaten und Kolonial­waren; sein Kompag­non Hermann Schmeltzer ver­starb bereits 1859; im nächs­ten Jahr­hundert wird Brülle & Schmelt­zer (SB Zentral­märkte) zu einem der größ­ten Groß­händler unserer Region, heute ins­gesamt 1.300 Mit­arbei­ter
1860Burgmühle von 1209 erhält neues Wasserrad Marke Zuppinger (größ­tes in West­falen), 1895: Dampf­maschine ange­schafft, Mühlen­betrieb 2003 einge­stellt, denkmal­geschütz­tes Mühlrad um­gezogen zum Quality-Hotel
1860Maurermeister Timmermann gründet Ziegelei an Lüning­straße, 1871: Ring­ofen mit Dampf­maschine, 1949: Eimer­ketten­bagger, danach Lehm­kuhle als Müll­deponie für Lipp­stadt, danach Stand­ort Disko KU, heute Hochschule und IQ
1860Gründung des Eisenwerks Linhoff aufgrund Eisenbahn-Anbindung, 1873 Drahtwerk „Westfä­lische Union“ Unionstraße, Beginn der Indus­triali­sierung in Lipp­stadt, erste Groß­industrie, jahr­zehnte­lang größter Arbeit­geber in Lippstadt
1863Städtische Gas-Anstalt in Betrieb genommen, Erzeugung von Stadtgas durch Verkokung von Steinkohle aus dem Ruhrgebiet (Eisenbahn), Nebenprodukte Koks und Teer, Koksverkauf als "Hausbrand" an privat
1870Gründung der Brauerei Weissenburg, 1920 gekauft von Nies, 1984 hier letzter Sud, dann Paderborn, 1990 Nies-Gruppe von Warsteiner gekauft
1870Gartenwirtschaft auf der Tivoli-Insel eröffnet, aber Tivoli-Gebäude erst ca. 1900
1872-74Neubau der Nicolaikirche, Westturm bleibt original, siehe 1182
1875Kredit- und Vorschußverein gegründet, Selbst­hilfe für Handwerker und Klein­gewerbe, Vorläufer der Volksbanken und Genossenschafts­banken
1876Neubau der Nikolaischule für Knaben an der Kloster­straße auf Gelände des ehe­ma­li­gen Nonnen­klosters St.-Annen-Rosen­garten, 1886 Mädchen­schule an der Weihen­straße, 1980 Umzug ans Lipper­tor in ehe­ma­lige Kreis­berufsschule
1882bei Dampfkessel-Explosion im Union-Werk sterben 10 Arbei­ter, Denkmal auf dem Friedhof; reichsweite Statis­tik nennt 11 solcher Dampf­kessel-Explo­sionen allein für dieses Jahr
1883Einrichtung des städtischen Schlachthofs
1883WLE gegründet als „Warstein-Lippstädter Eisenbahn“, Sitz Lippstadt, seit 1896 namentlich „Westfälische Landes-Eisenbahn“
1885Einwohnerzahl innerhalb weniger Jahre sprung­haft auf 11.000 ange­stiegen, Zuzug wegen Industriali­sierung (Urbanisierung)
1889Carl Wilhelm Lott kauft Scheune an Lange Straße und baut Haus mit Laden­geschäft für Texti­lien, 1911 erstes Schau­fenster in Lipp­stadt, heute 6 Gebäude vereint zu 5.000 qm Ver­kaufs­fläche, seit 2019 unter dem Namen Leffers
1895Sally Windmüller kauft und verlegt Fabrik für (Fahrzeug)Laternen nach Lippstadt Hospitalstraße, 1899 Westfä­li­sche Metall­indus­trie Aktien­gesell­schaft (WMI), 1908 Erfindung Scheinwerfer, Produkt HELLA
1896LP-Süd: Josefschule gegründet, 1902 Joseph­kirche gebaut
1898Marienschule an Fleischhauerstraße gebaut (kath. Töchter­schule mit Pensionat), 1966 Umzug zum Lipper­bruch / An Fleischhauer­str. heute Stadt­bücherei
1900Suderlage (heute Waldliesborn): bei Probe­bohrung auf Suche nach Stein­kohle statt­dessen auf Sole­quelle gestoßen. Wilhelm Eichholz gründet Heilbad „Bad Eichholz“, nach Konkurs 1913 um­be­nannt in „Bad Waldlies­born“
1901Wasserturm gebaut, bis 1977 in Betrieb, aber Wasser­versor­gung seit 1958 über­wiegend durch Wasser­werk Lipperbruch
1905Neues Postamt an der Langen Straße (heute Alte Post)
1905Rüstungsindustrie: „Königlich Preußische Artillerie-Werkstatt“ wird von Köln-Deutz nach Lippstadt verlegt, 400 Arbeiter, heute Standort Rothe Erde.
Arbeiter bringen Karneval vom Rhein­land nach Lippstadt.
1908Fußballvereine Borussia und Teutonia gegründet, siehe Waldschlößchen, 1997 fusio­nieren Fußball­abteilun­gen zum Spiel­verein Lipp­stadt 08 e.V.
1912Zeppelin-Tag: Luftschiff LZ-11 „Viktoria Luise“ geht vor Anker, 20.000 Zu­schauer, Hotels aus­gebucht, der Anker­stein liegt noch heute in Walibo
1913Neubau Ev. Krankenhaus an der Wieden­brücker Landstraße, Umzug aus Kolping­straße (dort seit 1852), heutiger Bau von 1967
1914Genossenschaftliche Gewerbebank gegründet, Nachfolger des Vorschuß­vereins von 1875, Vorläufer der Volksbank Lippstadt, heute VR Bank Westfalen-Lippe eG
1916Lebensmittelunruhen in Westfalen, z.B. am 10.05.1916 "Fett­krawall" in Biele­feld; Mangel­versor­gung seit 1915 wegen Briti­scher See­blockade
1917Steckrübenwinter 1916/17, Hungersnot im Deut­schen Reich: in diesem Winter sterben mindes­tens 100.000 Zivi­listen an Hunger und hunger­beding­ten Krank­heiten; Städter schicken Kinder aufs Land, z.B. Wadersloh be­wirtet bis 1924 rund 1.600 auswär­tige Kinder; in Warstein ver­hungern viele Psychia­trie-Patienten
1917Reichsbank Lippstadt und Kreis Lippstadt geben Notgeld-Gutscheine aus, wegen Münz- und Rohstoff­mangel im Ersten Weltkrieg
1917Mangel an Schuhen, weil Leder für Militär­stiefel priori­siert: die Wilhelm­schule emp­fiehlt Kindern barfuß zur Schule zu kommen, im Winter mit Holz­schuhen beholfen
1920Bernhardbrunnen eingeweiht, mit Stadtgründer-Statue (Edelherr Bernhard II. zur Lippe als Ritter dar­ge­stellt) und mit Gedenk­tafel an Gefallene (fast 600 Lipp­städter kehr­ten aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurück)
um 1920Städtisches Luftbad am Lipper­tor einge­rich­tet: hinter einem 2 m hohen Bretter­zaun konnte man auf einer Wiese gegen Gebühr ein Sonnen­bad nehmen, getrennte Zeiten für Männer und Frauen
1925Beginn Sammlung von Exponaten für ein Museum, 1929 Einzug ins heutige Museums­gebäude
1926Erste Herbstwoche, ursprüng­lich Gewerbe­schau mit „Vergnü­gungs­park“ (Kirmes)
1931Telefon-Ortsgespräche innerhalb Lipp­stadts auf Selbst­wähl­dienst umge­stellt (Wählscheibe) / zu jener Zeit vermut­lich auch Orts­vorwahl 02941 einge­führt und viel­leicht erstes Telefon­buch für Lipp­stadt (Recherche erforderlich); im Jahr 1892 gab es in Lipp­stadt erst 20 Telefone
1932Freibad am Jahnplatz durch Baufirma Pehle privat finan­ziert und gebaut, 1956 Übergabe an Stadt
1932Erstes Kaufhaus: WEKA (Westfalen-Kaufhaus) Lange Straße, geschlossen 1995?
1933Am 12.1. spricht Adolf Hitler in Lipperode, im Wahlkampf für Landtags­wahl in Lippe, deshalb kein Interes­se an Veranstal­tung in Lippstadt (gehörte zum Preußi­schen Landtags­wahlkreis Westfalen-Süd)
1933Absetzung des Bürgermeisters durch NSDAP
1934Heinrich Kleine eröffnet Geschäft für Herren- und Knaben­bekleidung, geschlossen 2014
1935Brand von Schloss Schwarzenraben, wieder aufgebaut; gehörte bis 1974 zu Ermsing­hausen (Geseke) heute zu Bökenförde
1936Modehaus Brenken eröffnet, geschlossen 2012
1936Hitler will Aufrüstung, Lippstadt wird wieder Garnisons­stadt: Bau einer Flak-Kaserne mit der Südstraße als Parade­straße, außerdem Militär­flugplatz (Fliegerhorst) am Lipperbruch
1936Rüstungsindustrie: Gründung der „Lippstädter Eisen- und Metall­werke“ (LEM), 1944: Zwangsarbeite­rinnen
1937WMI (Hella) hat erstmals 1.000 Mitarbei­ter, Beginn Rüstungs­produktion
1937Pastor Martin Niemöller, gebürtiger Lipp­städ­ter, predigt in der Marien­kirche gegen den Rassismus der Nazis, 1937 verhaftet, 8 Jahre im KZ Sachsen­hausen und KZ Dachau
1938Zerstörung der Synagoge nach Brandlegung (Reichspogromnacht)
1939Einwohnerzahl stark angestiegen auf 23.000, Zuzug wegen Rüstungs­industrie
1940Fliegerhorst Lipperbruch ist wiederholt Bomber­angriffen ausge­setzt. 1944 durch Luft­angriffe schwer beschädigt
1942Beginn der Juden-Deportationen, siehe Stolper­steine ab 2021
1945Einziger Bombenangriff auf die Stadt
1945700 Zwangsarbeiterinnen aus dem LEM werden auf Todes­marsch zum KZ Bergen-Belsen getrieben, in Kaunitz von US-Einheiten befreit
1945US-amerikanische Truppen besetzen Lippstadt am 1. April kampflos (Video), Ruhrkessel wird am Wasserturm geschlos­sen, Endkampf um Ruhrgebiet, Kapi­tulation Deutsch­lands zum 8. Mai
1945Unversehrte Flak-Kaserne an der Südstraße wird von amerikani­schen Streitkräften bezogen, danach von belgischen Einheiten, danach britische Royal Artillerie siehe 1956
1946ca. 3.000 Vertriebene aus den deutschen Ost­gebieten in Lipp­stadt (auf 25.000 Ein­wohner), Zentrum zur Betreu­ung von Vertriebenen
1946Fliegerhorst wird zum Ortsteil Lipperbruch, Nutzung der ehema­ligen Flieger­horst-Kaserne zur Linderung der Wohnungsnot
1946Hochwasser in der Innenstadt, hierbei soll Lipp­stadts Bei­name "Das Venedig West­falens" selbst­ironisch ent­standen sein - damals noch nicht als Werbe­slogan. Tauwetter-Flut in Nord­hälfte Deutsch­lands im Februar nach schnee­reichem Winter 1945/46 insbe­son­dere an Weser und Ems.
1947Hungerwinter 1946/47, extrem kalter und langer Winter, Hamster­fahrten per Bahn aufs Land, um Lebens­mittel und Heiz­material zu tauschen; Lebensmittel­karten, im April 1947 pro Kopf nur 672 Kalo­rien täg­lich; Hoffnung auf Marshall-Plan und Währungs­reform 1948
1948Einführung der D-Mark, ersetzt wert­lose Reichs­mark und Tausch­handel; Arbeit wieder für Geld normali­siert die Wirt­schaft, funktio­nieren­des Geld schafft Grund­lage für Inves­ti­tionen; Marshall-Plan: USA liefern Roh­stoffe und Maschinen nach Europa als Kick­start für Schlüssel­industrien
1950Beginn des deutschen Wirtschafts­wunders; ebenso in Nord-Italien: miracolo economico, in Frankreich: Trente Glorieuses (30 Glanz­jahre)
1950Nordstern-Kino (Strotkötter) er­öffnet nach Umbau von Cabaret-Theater, 1952: Südtheater-Kino (Nieuwdorp) eröffnet am Südertor
19511. NRW-Kajak-Slalom auf der Lippe an der Burgmühle
1953Stadthaus am Ostwall fertig­gestellt, Umzug aus Rathaus. 70 Jahre später: 2024 Spatenstich für neues Stadt­haus am ehe­mali­gen Güter­bahnhof
1954Christian Dior aus Paris beauf­tragt Werner Uhlmann („Uhli-Strümpfe“) mit Herstel­lung von Feinstrümpfen, deutsches Perlon anstatt ameri­kani­sches Nylon, 1958: Falke übernimmt Uhli, ab 1974 Produk­tion auch in Portugal und Ungarn, 2005: Standort Lippstadt (am Tier­garten) auf­gegeben
1954Am Dusternweg werden Drost-Rose-Realschule und Edith-Stein-Realschule gebaut
1955Kläranlage am Hellinghäuser Weg gebaut
1956Museum aus Sicherheits­gründen ge­schlos­sen, Abriss droht. 1958 be­willigt Stadt­rat Geld für Sanie­rung. Museum 1963 wieder­eröff­net
1956Britische Armee zieht aus britischer Kaserne Lipperbruch in ehema­lige deutsche Flak-Kaserne an Südstraße um, neuer Name „Churchill Barracks“
1957Bundeswehr übernimmt britische Kaserne Lipperbruch, Bezug der „Lipperland-Kaserne“ durch Feld­artillerie-Bataillon 71, Kaserne 2007 aufgegeben, jetzt Business-Park und Wohngebiet
1959Umgehungsstraße B55 eröffnet
(erste Ampel Lippstadts an Lipperoder Straße?)
1961Lippstadt erhält die Postleitzahl 4780 (seit 1993 fünfstellig 59555-59558)
1961An der Beckumer Straße bietet eine Gast­stätte die ersten Pommes Frites Lippstadts an.
Frage: Seit wann gibt es Pizza, seit wann Fast Food wie Burger und Döner in Lippstadt?
1962Schloss Overhagen wird auf 99 Jahre an Schul­verein ver­pachtet, Eröffnung Gymna­sium (GSO) zunächst mit Internat im Schloss; Schulgebäude hinter der Gräfte wurde von Lehrern, Schülern und Eltern in Eigen­leistung er­richtet; Gründer Karl Hover­mann stirbt im folgen­den Jahr bei Auto­unfall auf B55
1965Heinrichsflut: Hochwasser in Lippstadt-Nord und Mitte, die Flut rum um die Lippe-Zuflüsse forderte zuvor bei Paderborn 11 Todesopfer
1966Hallenbad eröffnet: Städtisches Jakob-Koenen-Bad; abgerissen Mai 2014, jetzt Parkplatz für 140 Autos
1967Städtische Musikschule gegründet, Fleischhauer­straße, in 2000 Umzug in Wohnpark Süd
1968Neubau Bahnhof, Hauptbahnhof Lippstadt, Betonbau ersetzt Fachwerk-Bahnhof
1968Woolworth eröffnet, in auffälligem Beton-Neubau; Ladenketten machen einheimi­schen Geschäften Konkurrenz
1969Industriegebiet am Wasserturm entsteht
1969-1982Ulrike Deppe aus Lippstadt holt als Kanutin mehrere Meister­titel, 1981 Welt­meisterin im Kanu­slalom
1970Amtliche Bekanntmachung: Platz vor dem Museum wird ab jetzt „Marktplatz“ genannt, Platz vorm Rathaus in „Rathausplatz“ umbenannt (früherer Marktplatz)
bis 1970erSchreckliche Zustände in Kinderheimen und bei Kinder­verschickungen
1971Niederländische Gemeinde Uden (Maashorst) wird Partner­stadt von Lippstadt
1971Inbetriebnahme „Verkehrslandeplatz Paderborn/Ahden“, Mitbegründer Kreis Lippstadt, seit 1991 Name „Flughafen Paderborn/­Lippstadt“, ab 1993 mit Air Berlin
1971„Weka-Wurst“ Schraders Imbiss am Weka-Parkplatz, war zuvor ab 1967 Stand direkt am Bernhard­brunnen
1973Einweihung des Stadttheaters mit 787 Sitz­plätzen, wo 1970 altes Ostendorf-Gymnasium von 1865 abge­rissen worden war
1973Gemeinsamer Unterricht für Jungen und Mädchen (Koedukation) am Ostendorf-Gymnasium
1974Drahtwerk „Westfälische Union“ stellt Produktion ein (Draht­seile), s. 1860, einst größter Arbeit­geber
1974Bahnunterführung Stirper Straße fertig­gestellt
1974Lange Straße zur Fußgängerzone um­ge­wid­met und um­ge­staltet
1974Kneipe „Don Quijote“: Halle umgebaut von zwei Spaniern, Wirtin Petra Wolf 1983-2001(†), geschlossen 2019, abgerissen 2020
1975NRW-Kommunalreform: 16 Nachbar­gemeinden zur Stadt Lippstadt eingemeindet, (Orts-)Bürgermeister ent­fallen, stattdessen Orts­vorsteher; gemäß neuer Zähl­weise 64.000 statt vorher 42.000 Ein­wohner
1975Kreis Lippstadt aufgelöst, Anschluss an Kreis Soest
1975Nach fast 800 Jahren wird die erste Bürger­meisterin der Stadt gewählt: Dr. Barbara Christ, siehe Liste Bürgermeister, seit 1968 Mitbegründerin und Vorsitzende der Lebenshilfe
1977Neue Hauptpost am Lippertor gebaut;
2025 Umzug zu Stütz­punkt im Gewerbe­gebiet Wasserturm
1977Südliche Schützenhalle gebaut
1977Erstes Altstadtfest, initiiert vom Städtischen Verkehrsverein
1980Fußballspieler Karl-Heinz Rummenigge aus Lippstadt wird mit 26 Toren Torschützen­könig bei der Deutschen Meister­schaft
1981Parkhaus an der Woldemei eröff­net mit 284 Stell­plätzen, 1986: Parkhaus am Markt eröff­net mit 264 Pkw-Plätzen, 2001: Radstation am Bahnhof eröffnet mit 170 Fahr­rad-Stell­plätzen nach Erweite­rung von 2011 (aktuell wieder Platzmangel)
1982Lippstädter empört über beantrag­ten Abriss des Wasserturms, Stadtsparkasse spendet 100.000 DM in Stiftung zur Rettung, 1985 als Industrie­denkmal unter Schutz gestellt
1983Großraum-Disko KU eröffnet mit 1.850 qm Fläche für bis zu 2.000 Gäste, 1992 abge­brannt nach Brandstif­tung durch den neuen Besitzer
1985Stadtjubiläum: 800 Jahre Lippstadt
um 1985Mehrere Konzerte in Südlicher Schützen­halle, z.B. „Stray Cats“ und „Herman Brood“. Wer weiß noch etwas über Band­auftritte in Lipp­stadt? Bitte per Mail melden
1986Ordensschwestern verlassen Kath. Krankenhaus nach 130 Jahren
1986Drei Holzschweine angeschafft, Motto „Spielen im öffent­lichen Raum“, 2016: Entführung nach Hamm
1988Bürgerbrunnen vor dem Standesamt, mit 9 beweg­li­chen Bronze­figuren, finanziert aus Spenden von Bürgern
1988Nordtangente freigegeben: Dr.-Wilhelm-Röpke-Straße, wo 1987 der Nordbahnhof abge­rissen worden war
1990Erstes Rathausplatz-Festival, veran­stal­tet vom Kulturring Lippstadt e.V.
1990-1994Kelly Family tritt bei Lipp­städ­ter Alt­stadt­festen auf
1993Abzug der britischen Streitkräfte, feierliche Ver­abschiedung
1995Stadtwerke kaufen lokales Strom­netz von VEW (heute RWE), anschlie­ßend 21 Jahre Gerichts­prozesse über Kaufpreis, Lippstadt gewinnt
1995Stadt kauft Kasernengelände an der Südstraße vom Bund. Als „Wohnpark Süd“ können ab 1998 die ersten 80 Wohnun­gen bezogen werden
1997Disco „Königshof“ an der Süd­straße er­öffnet, nach Umbau einer ehemali­gen Halle der briti­schen Artille­rie. Königshof Insolvenz 2017. Seit 2020(?) Fitness­studio-Kette „clever fit“
2000Mit Gründung der Brauerei Thombansen endet eine Übergangs­zeit von 16 Jah­ren, in der in Lipp­stadt kein Bier gebraut wurde, vgl. Braurecht 1734
2002„Neues Südertor“ Einkaufs­zentrum mit Cineplex-Kino
2002Erstes Kneipenfestival im Herbst 2002, danach immer im Frühjahr und Herbst; fiel 2020-2024 aus wegen Corona bzw. pausier­ter Planung
2005Auffahrtsarme an der B55 zu Rossfeld/Rixbeck
2006Lippstadt verliert Landes­gartenschau-Bewerbung für 2008 an Mit­bewerber Rietberg
2007Bahnunterführung Rixbeck Alpenstraße
2008Bahnunterführung Unionstraße
2009Am 07.01.2009 zweitniedrigste Tempera­tur in Deutsch­land: -26.5°C an der Mess­station Bökenförde / Am 10.02.2021 mit -22,6°C NRW-Kälte­rekord, aber am 21.02. +20,1°C (somit ca. 43° Tempera­tur­unterschied in nur 11 Tagen)
2009Jasmin Schornberg aus Lippstadt wird Weltmeisterin im Kanu-Slalom im Einer-Kajak
2010Gesamtschule gegründet, zunächst Übergangs­standort Stadtwald­schule, 2017 Umzug in Neubau an Ulmen­straße
2012200 Katzen: Tierheim überfüllt, Kastrationspflicht gefordert
2012Stadtporträt-Video auf DVD auf deutsch und englisch erschienen
2012LP-Kennzeichen wieder­einge­führt, zuletzt 1974 ausge­geben; seit 2011 hat­ten viele Kreis­politiker mit Soester Ego anhal­tend ver­sucht wegen angeb­licher Kosten gegen Wieder­einfüh­rung zu argu­men­tieren; Alternativ war Interes­sent für "LP" der Land­kreis Ludwigs­lust-Parchim (2011 gegründet, jetzt LUP)
2012ehem. Lipperland-Kaserne an Deutsche Industriebau verkauft
2013Schwimmbad: Kombibad Cabrio­Li im Mai 2013 eröffnet, Baukosten 13 Mio. Euro
2013Bahnunterführung Südertor eröffnet, keine Nutzungs­möglich­keit für Pkw/Lkw mehr
2014Skatepark am Jahnplatz eröffnet
2014Hochschule Hamm-Lippstadt Gebäude fertig­gestellt, Studiengänge seit 2009
2015Fußballstadion am Bruchbaum „Liebelt-Arena“
2015Gasthof Landgräber verkauft, war seit 1783 im Besitz der Familie Landgräber, Fachwerk­haus wird von Grund auf saniert, SchankhausDiva 2020 er­öffnet
2015Auf Dipasch-Baustelle an der Soest­straße werden Knochen gefun­den, Archä­olo­gen ber­gen 47 Skelette, Vermutung dass bis zu 2.000 Franzo­sen in einem Gräber­feld aus dem Sieben­jähri­gen Krieg begraben sein könnten
2015Einwohnerzahl von Bad Waldlies­born hat sich zwischen 2000 und 2015 ver­doppelt. Davor bereits zwischen 1980 und 2000 ver­doppelt. Aktuell über 5.500 Ein­wohner
2015Festgestellt dass B55-Brücken zu marode sind für Sanierung, deshalb Neubauten erforderlich, Umleitung für Lkw-Verkehr
2016550 Flüchtlinge an 21 Stand­orten in Lipp­stadt verteilt, überwie­gend Bürgerkriegs­flücht­linge aus Syrien, Afghanis­tan, Irak. Notunterkunft an Lippero­der Straße und Turnhalle Lippeschule inkl. Zelt für insgesamt bis zu 600 Menschen
2016„Golden Gate“ abgebrannt, zuletzt „Old Style“, 2017 Dorf-Alm eröffnet
2016Mobilitätskonzept: Cappelstraße auf Tempo 30 begrenzt, Kastanien­weg wird Fahrrad­straße, Woldemei auf Tempo 30 begrenzt und wird einspurig, Freigabe des Rad­verkehrs entgegen der Einbahn­straße
2017Nach 304 Jahren schließt die Einhorn-Apotheke, jetzt Café
2020Covid-19 und Lockdown: zeitweise bis zu 800 Lipp­städ­ter gleich­zeitig in Quarantäne (jeweils zuhause)
2021Erste Stolpersteine verlegt: Erinnern an das Schicksal jüdischer Mit­bürger: der Familien Levy, Grüne­berg, Sost­heim, Cohn, Hammer­schlag, Mosbach
2022Sturmtief Emmelinde: Tornado wütet in Lippstadt
2023B55-Lippebrücke freigegeben, war seit 2019 provi­so­risch ver­stärkt, täglich 28.000 Fahr­zeuge / Baustelle Margare­tensee-Brücke bis Ende 2026
2023Schock in Bad Waldliesborn: Therme dauer­haft geschlos­sen; 2026 Abstim­mung über Bau Gradierwerk; Stadtwerke sollen Konzept für neue Therme erarbeiten
2024Mit dem Apollo Club in der Kahlen­straße schließt die letzte Disko Lippstadts
202548. Altstadtlauf des LTV mit erst­mals über 3.000 Teil­nehmern
2026Südtangente Beginn Vorbereitungs­arbeiten (Weißen­burger Straße), zusätz­liche Millionen­kosten wegen Alt­lasten (u.a. Queck­silber) auf Union-Gelände
2026Richtfest am neuen Stadthaus 09.05.2026
2026erstmals Postpark Open-Air Festival 04.06. - 07.06.2026 (während des Altstadt­fests)
2026Drei neue Holzschweine wurden 7. Juni 2026 in die Freiheit der Lipp­städter Fußgänger­zone entlassen
202611 Tage Juni-Hitze: Am 26.06.2026 mit 37,3°C heißester Juni-Tag in Böken­förde gemessen. Übertraf den 36,0°C Juni-Rekord aus dem Jahr 2002. Deutschlandweit mit 41,5°C neuer Rekord am 27.06.2026
2027geplanter Bau der Südtangente
- wird fortgesetzt -


Im zweiten Anlauf

Die Erstellung dieser Zeittafel hat eine eigene Histo­rie. 2012 hatte ich eine andere Web­site, für die ich einen hori­zon­ta­len Zeit­strahl program­miert habe und mit Lipp­städ­ter Ereig­nis­sen und sogar über­regio­nalen Ein­trägen ge­füllt hatte.
Der hori­zon­tale Zeit­strahl sah gut aus, aber man musste nach rechts oder links scrol­len, was unge­wohnt ist. Sehr nach­teilig war, dass jeder Eintrag (in einen Kasten ge­zwängt) nur Platz für wenige Wörter bot. Die notwen­dige Wort­sparsam­keit auf dem Zeit­strahl wurde aber den einzel­nen histo­ri­schen Ereig­nis­sen nicht ge­recht.

Trotz vieler Mühe stellte sich letzt­lich heraus, dass jene Dar­stellungs­form zwar hübsch, aber für die Inhalte wirk­lich unvor­teil­haft ist. Und obwohl ich privat viel Zeit inves­tiert hatte, habe ich das Pro­jekt nach Jah­ren auf­ge­geben.

Diese Webseite historisches-lippstadt.de ist seit 2018 mein zweiter An­lauf. Sie ent­hielt bis 2025 gar keine Zeit­leiste, sondern be­steht überwie­gend aus mittel­langen Auf­sätzen - und ver­folgt somit wieder den her­kömm­li­chen An­satz einer losen Samm­lung von Themen.

Die obigen Einträge der Zeit­leiste sind nicht nur kurz z.B. "Schule gebaut", sondern ent­halten oft er­gän­zen­de Halb­sätze oder Sätze. Zu einer echten Stadt­chronik würde es werden, wenn es in Zukunft ge­länge, zu jedem Ereig­nis per Ver­linkung einen ganzen Auf­satz zu hinter­legen, der die jewei­li­ge Situ­ation in ihre Zeit­periode und ggf. über­regio­nal ein­ordnet.


Zeittafel/Text: Jörg Rosenthal, 2025-2026
Bitte Ergänzungen, Korrekturen, Vorschläge u.ä. per E-Mail einsenden.

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