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Foto von Ausstellung
Das hübsche Palais Rose von 1770 an der Rathausstraße

Museum unfreiwillig im Dornröschenschlaf

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle das Lipp­städ­ter Stadt­museum als sol­ches vor­stel­len. Aber es kam anders ...

Mit 800 Besuchern war das Stadt­theater beim Neu­jahrs­empfang der Stadt Lipp­stadt am 11. Janu­ar 2026 voll be­setzt. Der neue Bürger­meister Alexan­der Tschense kam schon nach weni­gen Minu­ten auf das Thema Museum zu spre­chen: „Erster Schritt: Wir be­enden jetzt den Archi­tek­ten-Wett­bewerb ergebnis­los“.

Ich vermute, dass dem der Stadt­rat noch zu­stimmen muss. Damit endet zu­nächst die monate­lange, vergif­tete Diskus­sion um einen Museums-Anbau und den Weg­fall der Park­plätze auf dem Markt­platz.
Stattdessen sollen, so Tschense, in den nächs­ten Mona­ten grund­legen­de Fragen ge­klärt wer­den, z.B. die Erwar­tun­gen an ein moder­nes Museum, Besucher­zahlen und Kosten, sowie mög­li­che Stand­orte! Anschlie­ßend könn­te es eine Ab­stim­mung durch die Bürger (Rats­bürger­entscheid) geben, zu­sam­men mit der Land­tags­wahl 2027.

Ich vermute deshalb, dass wir in den nächs­ten Jah­ren kein regu­lä­res Museum in Lipp­stadt haben wer­den. Schon seit Mitte 2025 gibt es im Mu­seum die üb­liche Dauer­ausstel­lung nicht mehr, da das Ge­bäude schon seit über 10 Jah­ren sanie­rungs­bedürf­tig ist, zudem nach dem Tornado von 2022 durch das ab­gedeck­te Dach Feuchtig­keit ein­drang und Aus­stellungs­stücke in das neue Museums­depot an der Hos­pital­straße ge­rettet wer­den muss­ten.

Schon viele Jahre vorher musste das 2. Stock­werk ge­sperrt werden, weil es nicht mehr sicher be­geh­bar ist. Um das Problem mit dem zer­fallen­den Ge­bäude und dem Ver­lust von Räumen ab­zu­fangen, wur­den in den letz­ten Jah­ren mehre­re Sonder­ausstel­lun­gen kre­iert, die statt­dessen in der Rathaus­galerie ausgestellt wurden oder in der Jakobi­kirche oder Brüder­kirche statt­fanden.

Ein neues modernes Museumskonzept, das von der Museums­leite­rin (seit 2017) er­stellt wurde, wurde dem Stadt­rat vor­ge­stellt, hatte aber keine Chance zur Um­set­zung, weil es dazu an nutz­baren Räu­men fehlt - in Form eines nutz­baren (sanier­ten) Gebäu­des und zu­sätz­li­cher Fläche - bisher ange­dacht als Anbau.

Ich denke, es ist eine große Enttäu­schung für die Museums­leiterin und das Museums-Team, auch weil der größ­te Auf­wand der letz­ten Jahre im Verbor­ge­nen statt­fand, näm­lich die Inven­tari­sie­rung aller Gegen­stände - was eine Voraus­set­zung für die Er­stel­lung des Museums­konzepts war - sowie die kom­plette Um­set­zung des neuen Mu­seums-Depots und zuletzt die fach­gerech­te Ver­packung und der Umzug der Gegen­stände aus dem Museum. Das speziell klimati­sierte Depot ist ein Lager und ist für die Öffent­lich­keit nicht zu­gäng­lich.

Ärgerlich ist, dass der finale Schritt zum Ziel, näm­lich das Er­stel­len einer neuen Aus­stel­lung, nun nicht ge­gan­gen wer­den kann, weil ein nutz­bares Ge­bäude fehlt. Solange ist für die vor­berei­tende Arbeit der letz­ten Jahre keine An­erken­nung zu er­war­ten, weil es noch keine Außen­wirkung ent­fal­ten konn­te. Ganz im Gegen­teil: derzeit gibt es nur ein fast leeres Mu­seum im Zer­fall - das ist quasi der schlimm­ste Zu­stand seit der Er­öff­nung in 1929.

Dass derzeit keine Daueraus­stel­lung ange­boten werden kann, droht viel­leicht auf­grund der poli­ti­schen und finan­ziel­len Lage zu einem Zu­stand auf Jahre zu wer­den - viel­leicht bis in ein paar Jah­ren ent­weder ein ferti­ger Anbau oder ein ande­res Ge­bäude zur Ver­fü­gung steht.

Mir als Bürger nützt ein lee­res Museum nichts. Als Außen­stehen­der frage ich mich, ob es auf­grund der jüngs­ten Ent­wick­lung nicht ehr­licher wäre, wenn man das leere Mu­seum jetzt offi­ziell als ge­schlos­sen er­klä­ren würde - so wie der­zeit bei der an­stehen­den Sa­nie­rung des Hellweg-Museums in Geseke.
Dann könnte man in Lipp­stadt - nach einem neuen politi­schen und weite­rem plane­ri­schen Pro­zess (also erst in zwei oder drei Jah­ren?) in einem ge­eigne­ten Ge­bäude wieder ein Mu­seum ein­rich­ten.

Text: Jörg Rosenthal, 2026.
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