Eigentlich wollte ich an dieser Stelle das Lippstädter Stadtmuseum als solches vorstellen. Aber es kam anders ...
Mit 800 Besuchern war das Stadttheater beim Neujahrsempfang der Stadt Lippstadt am 11. Januar 2026 voll besetzt. Der neue Bürgermeister Alexander Tschense kam schon nach wenigen Minuten auf das Thema Museum zu sprechen: „Erster Schritt: Wir beenden jetzt den Architekten-Wettbewerb ergebnislos“.
Ich vermute, dass dem der Stadtrat noch zustimmen muss.
Damit endet zunächst die monatelange, vergiftete Diskussion um einen Museums-Anbau und den Wegfall der Parkplätze auf dem Marktplatz.
Stattdessen sollen, so Tschense, in den nächsten Monaten grundlegende Fragen geklärt werden,
z.B. die Erwartungen an ein modernes Museum, Besucherzahlen und Kosten, sowie mögliche Standorte!
Anschließend könnte es eine Abstimmung durch die Bürger (Ratsbürgerentscheid) geben, zusammen mit der Landtagswahl 2027.
Ich vermute deshalb, dass wir in den nächsten Jahren kein reguläres Museum in Lippstadt haben werden. Schon seit Mitte 2025 gibt es im Museum die übliche Dauerausstellung nicht mehr, da das Gebäude schon seit über 10 Jahren sanierungsbedürftig ist, zudem nach dem Tornado von 2022 durch das abgedeckte Dach Feuchtigkeit eindrang und Ausstellungsstücke in das neue Museumsdepot an der Hospitalstraße gerettet werden mussten.
Schon viele Jahre vorher musste das 2. Stockwerk gesperrt werden, weil es nicht mehr sicher begehbar ist. Um das Problem mit dem zerfallenden Gebäude und dem Verlust von Räumen abzufangen, wurden in den letzten Jahren mehrere Sonderausstellungen kreiert, die stattdessen in der Rathausgalerie ausgestellt wurden oder in der Jakobikirche oder Brüderkirche stattfanden.
Ein neues modernes Museumskonzept, das von der Museumsleiterin (seit 2017) erstellt wurde, wurde dem Stadtrat vorgestellt, hatte aber keine Chance zur Umsetzung, weil es dazu an nutzbaren Räumen fehlt - in Form eines nutzbaren (sanierten) Gebäudes und zusätzlicher Fläche - bisher angedacht als Anbau.
Ich denke, es ist eine große Enttäuschung für die Museumsleiterin und das Museums-Team, auch weil der größte Aufwand der letzten Jahre im Verborgenen stattfand, nämlich die Inventarisierung aller Gegenstände - was eine Voraussetzung für die Erstellung des Museumskonzepts war - sowie die komplette Umsetzung des neuen Museums-Depots und zuletzt die fachgerechte Verpackung und der Umzug der Gegenstände aus dem Museum. Das speziell klimatisierte Depot ist ein Lager und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Ärgerlich ist, dass der finale Schritt zum Ziel, nämlich das Erstellen einer neuen Ausstellung, nun nicht gegangen werden kann, weil ein nutzbares Gebäude fehlt. Solange ist für die vorbereitende Arbeit der letzten Jahre keine Anerkennung zu erwarten, weil es noch keine Außenwirkung entfalten konnte. Ganz im Gegenteil: derzeit gibt es nur ein fast leeres Museum im Zerfall - das ist quasi der schlimmste Zustand seit der Eröffnung in 1929.
Dass derzeit keine Dauerausstellung angeboten werden kann, droht vielleicht aufgrund der politischen und finanziellen Lage zu einem Zustand auf Jahre zu werden - vielleicht bis in ein paar Jahren entweder ein fertiger Anbau oder ein anderes Gebäude zur Verfügung steht.
Mir als Bürger nützt ein leeres Museum nichts.
Als Außenstehender frage ich mich, ob es aufgrund der jüngsten Entwicklung nicht ehrlicher wäre,
wenn man das leere Museum jetzt offiziell als geschlossen erklären würde
- so wie derzeit bei der anstehenden Sanierung des Hellweg-Museums in Geseke.
Dann könnte man in Lippstadt - nach einem neuen politischen und weiterem planerischen Prozess (also erst in zwei oder drei Jahren?)
in einem geeigneten Gebäude wieder ein Museum einrichten.