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Metzgeramtshaus (rechtes Gebäude)
Mit Tor (rechts) und Straßenbrunnen mit Handpumpe


 
Das Metzger-Amt

Das Lippstädter Metzger­amts­haus gilt deutsch­land­weit als ein­ziges Ge­bäude, das den Rechts­nach­folgern einer histo­rischen Zunft ge­hört.
Im Mittelalter waren Hand­werker in Zünften orga­ni­siert, zu­nächst als kari­tative Bruder­schaften, später als wirt­schaft­lich-poli­tischer Inter­essen­verbund. In Lipp­stadt ist die Zunft (hier­zu­lande „Amt“ ge­nannt) der Metzger seit über 500 Jahren doku­men­tiert. Die Fleisch­hauer­straße, wo Metzger wohnten, trägt ihren Namen seit 1439. In der Dunklen Halle waren die Ver­kaufs­stände der Fleischer, in der Hellen Halle die Bäcker.

1531 kam es in Lippstadt zu einem Aufruhr. Als der alte Stadt­rat wie üblich seine eigenen Nach­folger wählen wollte, em­pörte sich die Gemein­heit und strebte nach Gleich­be­rech­tigung. Als Folge der Em­pörung tauchen in den Rats­listen neue Männer neben den alten auf. Zudem wurde ein Kontroll­gremium (Tribunium) ge­bildet, das den Rat über­wachte. Seither werden in Schrift­stücken der Stadt die Gemein­heit und die Ämter (Zünfte) erst­mals ge­sondert ge­nannt.

Die älteste schriftliche Satzung in Lipp­stadt ist von 1560 und gehört den Wollen­webern, die Satzung des Schmiede­amts ist von 1563, und die des Fleisch­hauer­amtes von 1574. Das Original­dokument mit­samt einer schmucken Truhe hat 1945 ein Soldat der Be­satzungs­armee als Sou­venir mit­ge­nommen.

Das Metzgeramt war dafür verant­wort­lich, dass die Bürger jeder­zeit frisches Fleisch kaufen konnten. Weil frisches Fleisch nicht lange auf­be­wahrt werden konnte, legte das Amt be­stimmte Schlacht­tage fest. Das Fleisch wurde an Fleisch­bänken in den Dunklen Halle ange­boten. Wegen fehlender Kühlung wurde im Sommer das Reihen­schlachten ein­geführt, d.h. die Metzger durften nur nach­ein­ander schlachten, wenn der vor­herige Metzger sein Fleisch komplett ab­ver­kauft hatte. Die Bürger ver­zehrten frisches Fleisch meistens nur am Sonn­tag, während unter der Woche ge­pö­keltes Fleisch aus teil­weise eigener Schlach­tung ge­gessen wurde.

Das Metzgeramtshaus
Ursprünglich besaßen die Zünfte keine eigenen Gebäude. Vermut­lich hatte das Metzger­amt sein erstes Amts­haus nach 1537, eben­falls an der Stelle des heutigen Metzger­amts­hauses. Das erste Amts­haus fiel am 25. Juli 1656 dem dritten Stadt­brand zum Opfer. Für ein neues, größeres Amts­haus kauften die Metzger die um­lie­genden Grund­stücke hinzu. Das Geld zum Bau eines neuen Hauses liehen sich die 30 Amts­brüder vom Bürger­meister Klüsener. Durch die 30 Unter­schriften auf dem Darlehns­vertrag sind uns die damaligen Mit­glieder der Metzger­amts heute über­liefert.

1662 war das neue Gebäude fertig­ge­stellt. Es handelt sich um drei in­ein­ander ver­schach­telte Fach­werk­häuser, mit der auf­fälligen Über­bauung des Pfades. Im folgenden Jahr taucht erst­mals der Begriff „Dunkle Halle“ auf. Das Ober­geschoss wurde als Amts­stube und Saal ge­nutzt, die übrigen Räume wurden an Amts­brüder ver­mietet.

Um 1800 begann der Einfluss der Zünfte nach­zu­lassen, dem Stadt­rat sollen die An­liegen der Zünfte lästig ge­worden sein. 1810 führten die franzö­sisch be­setzten Gebiete die Gewerbe­frei­heit ein, 1811 folgte Preußen. In einem Brief vom 16. Februar 1810 wurde dem Lipp­städter Metzger­amt mitge­teilt, dass seine Zunft hier­mit auf­ge­löst wurde. Man habe 3 Tage später um 8 Uhr mit allen Ur­kunden vor­stellig zu werden, damit das Zunft-Eigentum ver­äußert werden kann.

Beim öffentlichen Verkauf erwarb Franz Brülle, selbst Mit­glied des bis­herigen Metzger­amts, die Liegen­schaften. Den Kauf­preis braucht er aber nicht zu be­zahlen, da „rein zufällig“ Unter­lagen ge­funden wurden, laut denen das Amt Schulden in gleicher Höhe bei Brülle hatte. Brülle ver­pflich­tete sich das Haus seinen Amts­brüdern un­ent­geltlich für Ver­samm­lungen zur Ver­fügung zu stellen. Somit be­ließen die Metzger quasi alles beim Alten und ver­sammelten sich weiter­hin, nun ledig­lich ohne gesetz­lichen Rahmen, also als Inter­essen­verband der Metzger.

Das Metzgeramt hatte schon vorher einen Feuer­lösch­dienst ange­boten und ein Spritzen­haus unter­halten. Dies wurde auch nach Auf­lösung der Zunft weiter be­trieben. Der offi­zielle Name des Metzger­amtes lautete fortan „Metzger-Spritzen­gesellschaft zu Lipp­stadt“. Im Jahr 1900 wurden bei der Metzger-Feuer­wehr 32 Aktive ver­zeichnet. Erst mit dem Bau des Wasser­turms 1901 wurden die Spritzen nicht mehr be­nötigt.

Das ehemalige Metzgeramt besteht bis heute als Tra­di­tions­verein weiter. Das Metzger­amts­haus ver­dankt seine Existenz dem alten Amt, und der heutige Tradi­tions­verein „Lipp­städter Metzger­amt e.V.“ ver­dankt seine Exis­tenz dem alten Amts­haus.
Das Erd­geschoss, wo sich früher Ställe und Schlacht­vor­richtungen be­fanden, ist heute ver­mietet. Aber im Ober­geschoss ist immer noch das Zunft­haus, d.h. im histo­rischen Amts­saal finden immer noch Feier­lich­keiten des Vereins statt.
Zusammenfassung: Jörg Rosenthal.
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Quelle:
• Buch „Zur Geschichte des Lipp­städter Metzger­amtes“, Helmut Klockow, Adolf Sommerkamp, 1974
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