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Rathausplatz im Februar-Sonnenschein
Rathausplatz, Foto von Jürgen Grieger, Februar 2026

Lippstadt in Westfalen

Lippstadt ist eine mittelgroße Stadt mit rund 70.000 Einwohnern im nord-öst­li­chen NRW, zwi­schen Dort­mund, Biele­feld, Pader­born und dem Sauer­land.

Die historische Altstadt lädt mit ihrer Fußgänger­zone zum Bummeln ein und be­eindruckt durch viele Fach­werk­häuser, von denen einige nach dem Stadt­brand von 1656 erbaut wurden. Nur wenige hundert Meter vom histori­schen Rat­haus ent­fernt, beginnt der „Grüne Winkel“, eine grüne Oase ent­lang der Lippe.

Der Name „Lippstadt“ leitet sich vom Adels­geschlecht „zur Lippe“ ab, deren Name natürlich vom Fluss Lippe stammt, der durch die nördliche Altstadt Lippstadts fließt. Ursprüng­lich hieß die Stadt schlicht „Stadt zur Lippe“ oder kurz „Stadt Lippe“.

Außerhalb der Altstadt findet sich moderne Industrie und die Hoch­schule im MINT-Bereich. Damit ist Lipp­stadt ein Bei­spiel für den Wandel westfäli­scher Städte von einer ehemali­gen Festungs­stadt (Garnisons­stadt) zu einer Industrie- und Bildungs­stadt der Gegen­wart.

Was Lippstadts Ursprung historisch von ande­ren westfä­li­schen Städten ab­hebt, ist, dass sie nicht zu­fällig ent­stand: Lippstadt wurde 1185 als erste Planstadt Westfalens gegrün­det und blickt damit auf eine ziem­lich klar abgrenz­bare Stadt­geschichte von 840 Jah­ren zurück.

Lippstadt war bis 1975 Kreisstadt des Kreises Lippstadt, gehört aber seit der kommuna­len Neu­gliede­rung zum Kreis Soest, dessen größte Stadt Lipp­stadt ist. Die Städte sind einge­bettet in einem Becken zwi­schen dem Münster­land im Norden, dem süd­lich ge­legenen Haarstrang und dem Pader­borner Land im Osten.

Das prägende Naturelement in Lippstadt ist die Lippe, die das Stadt­gebiet durch­zieht. Im histori­schen Stadt­kern ver­zweigt sie in mehrere Arme, soge­nannte Umfluten, die letzte Zeug­nisse der einsti­gen Festungs­anlagen sind. Diese wasser­reiche Lage hat Lipp­stadt den Bei­namen „Das Venedig West­falens“ einge­bracht.


Geschichte

Lange bevor Lippstadt als Planstadt ge­gründet wurde, existierte im heuti­gen Stadt­gebiet eine Kaufmanns­siedlung, die heute Nikolai-Viertel genannt wird. Dort befand sich ein Vorläufer­bau der heutigen Nicolai­kirche. Die strategi­sche Lage an der Lippe­furt machte den Ort zum Kreuzungs­punkt wichti­ger Handels­routen: Hier trafen die Nord-Süd-Verbindung zwi­schen Frank­furt und Lübeck sowie die West-Ost-Verbindung zwi­schen Münster und Pader­born auf­einander.

Die Edelherren zur Lippe, deren Geschich­te ur­kund­lich ab etwa 1090 mit Bernhard I. und Hermann I. greif­bar wird, gründe­ten im heuti­gen Orts­teil Cappel ein Kloster für ↗Prämonstra­tense­rinnen.

Im Sächsischen Krieg (1177-1181) wurde das Nicolai­viertel von den Truppen des Kölner Erz­bischofs zer­stört - als Rache dafür, dass Bern­hard II. den Herzog von Sachsen unter­stützt hatte.

Wahrscheinlich im Jahr 1185 gründe­te Bernhard II. seine „Stadt zur Lippe“ als erste Plan­stadt West­falens. Eine Legende dazu ist die so­genannte Mantel-Anekdote. Bernhard stiftete außer­dem ein Kloster für Augusti­ner-Chorfrauen, aus dessen Stifts­kirche später die heutige Stifts­ruine hervor­ging. 1190 gründe­te Bern­hard II. auch die Stadt Lemgo.

Mittelalterliche Blütezeit

Lippstadt wuchs rasch. Bereits um 1220 ent­stand die Lipp­städter Stadt­rechts-Urkunde, die als Vorlage für weitere Stadt­gründun­gen diente. Die Marienkirche wurde um 1190 als Markt­kirche be­gonnen, die Jakobi-Kirche folgte um 1240.

Ein weiteres Kloster wurde um 1280 ge­stiftet, nämlich nach der Hochzeit von Kunigunde von der Lippe und Friedrich von Hoerde. Die beiden stifte­ten in Lipp­stadt das Brüder­kloster, an dem 1281 die Brüder­kirche ge­baut wurde.

Das Prägen von Münzen spielte eben­falls eine Rolle: Ab 1231 präg­ten Lipp­städter Münz­meister zunächst englische Münzen nach; ab Mitte des 13. Jahr­hun­derts auch eigene Münzen mit der Lippe-Rose (Lippische Rose).
Ein literarisches Lob auf die Stadtgründer­familie, das Epos „Lippi­florium“ des Schul­leiters Justinus, ent­stand um 1250 und ist ein frühes Zeug­nis des Bildungs­wesens in der Stadt.

Im Jahr 1253 schloss sich Lippstadt einem Schutz­bund mit Soest, Dort­mund, Münster und später Osna­brück an („Werner Bund“). Lippstadt wurde um 1280 Mit­glied der Hanse, wo sie sich durch Soest ver­treten ließ. Erst zur End­zeit der Hanse stieg Lipp­stadt zur Prinzipal­stadt auf - eine heraus­ragende Stellung, die Lippstadt bis zur Auf­lösung des Städte­bundes 1669 be­hielt.

Die Verpfändung der Stadt 1376 an Engelbert von der Mark - um das Löse­geld für den gefange­nen Simon III. zur Lippe auf­zubringen - und die Soester Fehde (1444-1449) führ­ten schließ­lich zu einer ge­teil­ten Herr­schaft (Samt­herrschaft) über Lipp­stadt, die von 1445 an gemein­sam von der Graf­schaft Lippe und dem Herzog­tum Kleve aus­geübt wurde. Diese unge­wöhn­liche Doppel­herr­schaft sollte fast 400 Jahre an­dauern.

Reformation und Frühe Neuzeit

1524 begann die Reformation in Westfalen mit Predig­ten des Lipp­städter Augustiner-Mönchs Dr. Johannes Wester­mann in der Brüder­kirche. Seine gedruck­ten Fasten­predigten gelten als das erste evange­lische Buch West­falens und mach­ten Lipp­stadt zu einem der ersten Druckerei-Standorte der Region.

Der Weg zur lutherischen Konfession war aller­dings kein gerader: Wegen des eigen­mächtig einge­stellten protestan­ti­schen Predigers ver­hängten die Landes­herren 1531 eine Handels- und Verkehrs­sperre über Lipp­stadt. Die Stadt stand 1532 vor dem Ruin, kapitu­lierte 1533 und muss­te 1535 sogar alle kirch­li­chen Neue­run­gen formal zurück­nehmen. Erst 1538 wurde die luthe­rische Kirchen­ordnung in der Graf­schaft Lippe dauer­haft ein­ge­führt.

Das 17. Jahrhundert war geprägt von schweren Schicksals­schlägen. Im Dreißig­jährigen Krieg (1618-1648) nutzte Herzog Christian von Braun­schweig die befes­tigte Stadt 1621 als Haupt­quartier und be­setzte die Burg Lipperode, während seine Truppen Pader­born und Münster plünder­ten. Es folgte eine sechs­wöchige Belagerung Lippstadts (1623) durch die Truppen der Katholi­schen Liga.

Stadtbrände verwüsteten die Stadt mehrfach: 1642 brannte ein Drittel aller Häuser, 1656 - während viele Bürger bei der Kirmes in Mast­holte weil­ten - vernich­te­te das Feuer 336 Häuser. Als wäre das nicht genug, raffte 1673 eine Fleck­fieber­seuche von den ur­sprüng­lich rund 3.000 Ein­wohnern 2.000 Menschen dahin.

Einen besonders dunklen Abschnitt bildet die Hexen­verfolgung in Lippstadt: 1630 wurden 23 Frauen und 6 Männer als Hexen und Hexer ver­urteilt und mit dem Schwert hin­ge­richtet.
Im gleichen Jahr ent­kam die junge Anna Maria Crevet dem Verfolgungs­wahn, indem sie nach Magde­burg floh - sie ist eine direkte Vor­fahrin des Er­finders Werner von Siemens.
2015 rehabilitierte der Lippstädter Stadtrat alle 29 Hin­gerichte­ten symbolisch als unschuldig.

18. Jahrhundert:
Festung und Aufklärung

Im 18. Jahrhundert war Lippstadt eine der am stärks­ten be­festig­ten Städte West­falens. Um 1760 umgab die Stadt ein breites System aus Stadt­mauern, Wällen, Gräben und vor­gelager­ten Posten von bis zu 200 Metern Breite. Im Sieben­jährigen Krieg (1756-1763) wurde Lipp­stadt 1757/58 von den Franzosen be­setzt. Nach dem Friedens­schluss ordnete König Friedrich II. von Preußen 1763 die Schleifung der Festungs­werke an. 600 Pioniere aus Minden er­ledig­ten monate­lang den Abriss, indem die Wälle in die Gräben um­ge­schichtet wurden.

1710 war bereits die erste Lipp­städter Zeitung er­schienen, heraus­gegeben vom Post­meister Pöppel­mann - angeblich die älteste Zeitung zwi­schen Rhein und Weser.
Die Handelsbedeutung der Stadt zeigte sich auch darin, dass Lipp­stadt 1777 als wichtigs­tes Grenz­postamt zwischen Preußen und Taxis galt: Alle Briefe aus dem Reich, der Schweiz und Italien in Richtung Westen und Ost­fries­land muss­ten über Lipp­stadt be­fördert werden.

19. Jahrhundert:
Preußen, Eisenbahn und Industrialisierung

Das 19. Jahrhundert brachte ent­scheidende poli­tische und wirt­schaft­liche Umbrüche. 1806 be­setzten die Franzosen die Stadt erneut, nach­dem Preußen die Schlacht bei Jena ver­loren hatte. Nach dem Wiener Kongress und der Gründung der preußi­schen Provinz West­falen 1815 wurde 1817 der Kreis Lipp­stadt im Regierungs­bezirk Arns­berg ge­gründet.

Die fast vier Jahrhunderte andauernde Samt­herrschaft endete 1851 fried­lich: Der Lippstäd­ter Rat bat den König von Preußen, die Stadt aus dem hälfti­gen Lippischen Besitz frei­zukaufen. Für eine jähr­liche Rente von 9.120 Reichs­talern ent­ließ Fürst Leopold die Stadt 1851 in die voll­ständige preußi­sche Zuge­hörig­keit.

Der Eisenbahn-Anschluss von 1850 (Linie Hamm-Kassel) war ein ent­scheiden­der Impuls für die wirt­schaft­liche Ent­wicklung. Lipp­stadts Bürger­meister Bertram hatte erfolg­reich durch­gesetzt, dass die Bahn­linie für Lipp­stadt einen Umweg nahm anstatt durch Erwitte ge­führt zu werden.

In der Folge entstanden erste Industrie­betriebe: 1860 begann hier das Eisen­werk Linhoff, aus dem später das Draht­werk „Westfä­lische Union“ hervor­ging - jahr­zehnte­lang der größte Arbeit­geber der Stadt. Die Ein­wohner­zahl Lipp­stadts stieg durch die Indus­triali­sie­rung inner­halb weniger Jahre von rund 5.000 auf über 11.000 (Stand 1885).

Das bedeutendste Unternehmen wurde jedoch aus be­scheide­nen Anfängen heraus ge­boren: 1895 kaufte Sally Wind­müller eine Fabrik für Fahrzeug­laternen und ver­legte sie nach Lipp­stadt. 1908 erfanden hier Ingenieure den Auto­schein­werfer - und die Firma WMI wurde später unter ihrem Marken­namen HELLA welt­bekannt.

Parallel zur Industrialisie­rung ent­wickel­ten sich Bildung, Kultur und Infra­struk­tur. 1848 gründete Carl Weinert die Tages­zeitung „Der Patriot“, die bis heute er­scheint. 1842 wurde die Stadt­sparkasse ge­gründet, 1852 das erste evange­lische Kranken­haus sowie eine Höhere Töchter­schule - eine von damals nur 11 solcher Schulen in ganz West­falen.

Der Biologie-Lehrer Hermann Müller unter­rich­tete ab 1855 am Osten­dorf-Gymnasium und ent­deckte die Co-Evolu­tion bei Insek­ten und Blüten­pflanzen; er stand in Brief­kontakt mit Charles Darwin.

20. Jahrhundert: Krieg, Wiederaufbau und Wirt­schaftswunder

Das 20. Jahrhundert begann viel­versprechend: 1901 wurde der markante Wasserturm gebaut, der heute unter Denkmal­schutz steht.
1905 wurde eine König­lich Preußi­sche Artillerie-Werkstatt von Köln-Deutz nach Lipp­stadt ver­legt - und die mitgereisten Arbeiter brachten den rhein­ländi­schen Karneval nach Lippstadt.
1912 löste der Besuch des Zeppelins „Viktoria Luise“ einen Massen­andrang von 20.000 Zu­schauern aus.

Der Erste Weltkrieg hinter­ließ tiefe Spuren: Fast 600 Lipp­städ­ter kehrten nicht zurück. Der Steck­rüben­winter 1916/17 und die britische See­blockade führ­ten zu Hunger und Mangel­versorgung.
1920 wurde der Bernhard­brunnen mit der Stadt­gründer-Statue ein­geweiht, auch als Denkmal für die Gefallenen.

In der NS-Zeit wurde der amtierende Bürger­meister 1933 durch die NSDAP ab­gesetzt. 1936 wurde Lipp­stadt erneut Garnisons­stadt: Eine Flak-Kaserne wurde gebaut, dazu der Flieger­horst Lipper­bruch. Die Rüstungs­industrie wuchs stark: HELLA hatte 1937 erst­mals 1.000 Mit­arbeiter.

1938 wurde die Synagoge in der Reichs­pogrom­nacht zer­stört. Pastor Martin Niemöller, in Lipp­stadt ge­bore­ner Pfarrer, predigte 1937 in der Marien­kirche gegen den Nazi-Rassis­mus und wurde darauf­hin ver­haftet - er ver­brachte acht Jahre in Konzentra­tions­lagern. 1942 be­gannen die Deporta­tio­nen der jüdischen Be­völke­rung; an sie erinnern heute Stolper­steine, die seit 2021 ver­legt werden.

Am 1. April 1945 besetzten US-amerikani­sche Truppen Lipp­stadt. Am Lipp­städter Wasser­turm wurde der so­genann­te Ruhr­kessel ge­schlossen - das Ende des Kampfes um das Ruhr­gebiet. 700 Zwangs­arbeite­rinnen aus den Lipp­städter Eisen- und Metall­werken (LEM), die auf einen Todes­marsch Rich­tung Bergen-Belsen ge­trie­ben wurden, wurden bei Kaunitz von US-Ein­hei­ten be­freit.

Die Währungsreform von 1948, der Marshall-Plan und das deut­sche Wirt­schafts­wunder schufen die Grund­lagen für neuen Wohl­stand. HELLA wuchs zu einem interna­tio­nal be­deuten­den Auto­mobil­zuliefe­rer heran.

1975 wurde durch die kommunale Gebiets­reform die heutige Struk­tur mit 18 Orts­teilen ge­schaffen, wodurch die Ein­wohner­zahl rechne­risch von 42.000 auf 64.000 stieg.
Im gleichen Jahr wurde der Kreis Lippstadt aufge­löst und Lipp­stadt wurde dem Kreis Soest zu­geord­net. Ein beson­de­res Zeichen der Zeit: 1975 wurde mit Dr. Barbara Christ die erste Bürger­meiste­rin in der 800-jähri­gen Stadt­geschichte gewählt.

Jüngere Geschichte

Das Stadttheater mit 787 Sitzplätzen eröffnete 1973.
Fußball: Karl-Heinz Rummenigge, Lippstadts über­regional be­kanntes­ter Sohn, war 1980 Tor­schützen­könig der deut­schen Fußball­meister­schaft.
Die Lange Straße wurde zur Fuß­gänger­zone und es wurden Spiel­geräte auf­gestellt. Die 1980er und 90er Jahre brach­ten aber auch wirt­schaft­liche Ein­schnitte und eine hohe Arbeits­losen­zahl. Und die Großraum­disko KU brannte ab. 1993 zogen die bri­ti­schen Streit­kräfte nach jahr­zehnte­langer Präsenz feier­lich ab.

In der Gegenwart entwickelt Lippstadt sich weiter: 2009 nahm die Hoch­schule Hamm-Lippstadt den Betrieb auf, deren moder­nes Gebäude 2014 fertig­gestellt wurde. Im Mai 2026 wurde das Richt­fest des neuen Stadt­hauses am ehemali­gen Güter­bahnhof ge­feiert, und die Süd­tangente als lang er­sehnte Verkehrs­entlas­tung be­findet sich in Vor­bereitung.


Verkehr

Die wichtigste Verkehrsader ist die Bundes­straße B55, die als Umgehungs­straße in nord-süd­licher Rich­tung an Lipp­stadt vorbei­führt und hier teil­weise vier­spurig aus­gebaut ist. Im Norden führt die B55 zur Auto­bahn A2 (Dortmund-Hannover), im Süden bei Erwitte zur Auto­bahn A44 (Dortmund-Kassel) und zur B1.

Der Bahnhof Lippstadt liegt an der Bahn­strecke Hamm–Warburg und wird im Fern­verkehr von ICE- und IC-Zügen be­dient. Es gibt umsteige­freie Ver­bindun­gen unter ande­rem nach Kassel und Gera. Die frühere direkte ICE-Verbin­dung nach München wurde Ende 2025 ein­ge­stellt.

Und im Bahn-Nahverkehr: Der RE 11 (Rhein-Hellweg-Express) ver­bindet Lipp­stadt mit Düssel­dorf und Kassel-Wilhelms­höhe und ver­kehrt grund­sätz­lich im Stunden­takt. Die Strecke ver­läuft über Hamm, Dortmund, Bochum, Essen und Düssel­dorf bzw. über Pader­born nach Kassel-Wilhelms­höhe. Ergänzt wird das Angebot durch die RB 89 (Ems-Börde-Bahn), die Lipp­stadt mit Hamm, Münster und Pader­born ver­knüpft.

Die Westfälische Landes-Eisenbahn (WLE), 1883 als Warstein-Lipp­städter Eisen­bahn ge­gründet, hat ihren Sitz in Lipp­stadt und be­treibt heute haupt­säch­lich Güter­verkehr. Eine Reakti­vie­rung des Personen­verkehrs auf der Strecke Warstein-Münster wird disku­tiert.

Der nächste Regional­flughafen ist der Flughafen Paderborn/Lippstadt bei Büren-Ahden. Mitgründer war 1971 der Kreis Lipp­stadt.


Bildung

Lippstadt verfügt über ein breites Bildungs­angebot. Zu den Gymnasien zählen das tradi­tions­reiche Ostendorf-Gymnasium (ge­grün­det als Latein­schule, seit 1555 lutheri­sches Gymna­sium), das Evange­lische Gymna­sium, das Gymna­sium Schloss Over­hagen sowie das Gymna­sium Marien­schule in Lipper­bruch. Hinzu kommen mehrere Real­schulen, eine Gesamt­schule - und für die Er­wachsenen­bildung die VHS.

Seit 2009 ist Lippstadt Hochschul­standort: Die Hoch­schule Hamm-Lippstadt (HSHL) bietet ingenieur­wissen­schaft­liche und wirt­schaft­liche Studien­gänge an. Das moder­ne Campus­gebäude unweit der Innen­stadt wurde 2014 fertig­gestellt.


Kultur und Stadtbild

Das Herzstück der Stadt ist die histori­sche Alt­stadt mit ihren Fachwerk­häusern, von denen viele nach dem großen Stadt­brand von 1656 ent­standen. 1973 wurde das Stadt­theater mit 787 Sitz­plätzen er­öffnet.

Zu den beliebtesten Stadt­festen zählt das vier­tägige Altstadt­fest im Früh­sommer, sowie die Herbst­woche (seit 1926) im Oktober, bei der die gesamte Innen­stadt zu einem Kirmes­gelände wird.

Das Lippstädter Schützenfest in der Stadt­mitte hat Wurzeln, die bis ins 15. Jahr­hun­dert reichen. Das Lipp­städter Schützen­kleinod von 1532 gilt als das älteste West­falens.

Kanufahrten auf der Lippe haben eine lange Tradi­tion: Bereits 1951 fand der erste NRW-Kajak-Slalom an der Burg­mühle statt. Lipp­stadt brachte auch erfolg­reiche Kanu-Slalom-Fahrerinnen hervor: Ulrike Deppe wurde 1981 Welt­meiste­rin, Jasmin Schorn­berg 2009.


Bekannte Persönlichkeiten

Lippstadt hat mehrere überregio­nal bekannte Persönlich­kei­ten hervor­gebracht:
David Gans (1541-1613), jüdischer Astronom und Universal­gelehrter, war in Prag mit Tycho Brahe be­freun­det und schrieb über die Welt­modelle von Koperni­kus und Kepler.
Johannes Cincinnius (1485-ca. 1555) über­setzte als erster die Ge­schich­te der Varus­schlacht ins Deutsche.
Caspar Ulenberg (1549-1619) schuf als zum Katholi­zis­mus konver­tier­ter Theologe eine deut­sche Bibel­überset­zung als Gegen­pol zur Luther­bibel.
Martin Niemöller (1892-1984) war Theologe und NS-Wider­ständ­ler.
Karl-Heinz Rummenigge (*1945) wuchs in Lipp­stadt auf und wurde einer der be­kanntes­ten deut­schen Fuß­baller.
• Der Erfinder Werner von Siemens (1816-1892) ist zwar kein ge­bürti­ger Lipp­städ­ter, aber seine Vor­fahrin Anna Maria Crevet stammt aus der Stadt.


Text: Jörg Rosenthal, 2026
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