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Das Buch war 2025 im Volksbank-Forum ausgestellt, sowie zuvor als Handschrift in einer Ausstel­lung im Museum Abtei Liesborn

Älteste Chronik Westfalens:

„Historia Westphaliae“ von Bernhard Witte

Das Buch gilt als die ältes­te zusam­men­hängen­de Geschichts­darstel­lung West­fa­lens. Aufge­schrie­ben wurde es von Bern­hard Witte, gebo­ren in Lipp­stadt, Mönch im Kloster Lies­born, in der Zeit um 1520.

Der eigentliche Titel des Buchs be­ginnt (latei­nisch) mit „Geschich­te des alten west­li­chen Sachsen, das jetzt West­fa­len heißt“. Das ur­sprüng­lich hand­schrift­li­che Werk um­fasst 9 Kapi­tel (histo­risch als Werk aus 9 Büchern be­zeich­net) und wurde über einen Zeit­raum von 40 Jah­ren ge­schrie­ben. Es um­fasst die Welt­geschich­te ab der Sint­flut und endet mit der west­fäli­schen Ge­schich­te abrupt im Jahr 1520. Mehr dazu in der zwei­ten Text­hälfte.

Bernhard Witte beschreibt sich in seiner Chronik selbst als ge­bürti­gen Lipp­städter. Man geht davon aus, dass er ca. 1460/1470 gebo­ren wurde und aus einer gut situ­ier­ten Bürger­familie in Lipp­stadt stamm­te. Über den Vater Johann Witte ist nichts be­kannt, aber Bern­hards Mutter Lücke Witte hat 1497 eine „ziemli­che Summe“ (21 Gold­münzen) zum Bau der Lies­bor­ner Kirche ge­spen­det. Außerdem hat sie im fol­gen­den Jahr ihr Haus und Hof samt Zube­hör in Lipp­stadt dem Kloster Lies­born ver­macht. Daraus kann man schlie­ßen, dass der Vater be­reits ver­stor­ben war, Bernhard der ein­zige (über­leben­de) Sohn der Familie war - und dass Bern­hard im Kloster Lies­born ver­sorgt sein soll und/oder das Erbe vor dem Zu­griff durch ande­re Ver­wandte ge­schützt werden sollte.

Bernhard Witte war 1490 Mönch im ↗Kloster Liesborn gewor­den, als einer von 11 Ordens­brüdern (Stand 1513). Schon 1491 folgte seine Weihe zum Pries­ter. Zu Bern­hards Auf­gabe wurde es, Urkun­den und Ver­zeich­nisse des Klos­ters abzu­schrei­ben und neue zu ver­fassen. Er scheint eine ge­achte­te Stel­lung ein­ge­nom­men zu haben, denn er war auch dafür zu­stän­dig, Siegel­gelder zu kas­sie­ren (für die Bestä­ti­gung von Käufen, Schenkun­gen und Ver­trä­gen). 1499 wird er als Getreide­verwal­ter ge­nannt - auch zum Ein­zug des Zehn­ten von den Bauern auf den Lände­rei­en des Klos­ters Lies­born.

Wittes Name tauchte aber nicht als Student an Uni­versi­tä­ten auf, zumin­dest nicht an den Unis Köln und Erfurt, die von Lies­borner Mön­chen be­vor­zugt wurden. Deshalb könn­te es sein, dass Bern­hard seine wissen­schaft­li­che Aus­bil­dung am Klos­ter selbst er­hal­ten hat.

Denn in der zwei­ten Hälfte des 15. Jahr­hun­derts er­lebte das Kloster Lies­born einen Auf­schwung in Kunst und Wissen­schaft, durch die Teil­nahme an der Reform­bewe­gung der ↗Burs­felder Kongre­gation. Die Atmos­phäre in Lies­born soll bil­dungs­freund­lich ge­wesen sein - so wur­den auch Schrif­ten aus der Antike ge­lesen. Auf Wirken von Bern­hard Witte soll die Kloster­biblio­thek nicht nur um theo­lo­gi­sche Schrif­ten, sondern auch um histo­rio­graphi­sche Werke er­wei­tert wor­den sein.

Etwa in seinem 30. Lebens­jahr soll Bern­hard Witte be­gon­nen haben, die Ge­schich­te West­falens aufzu­schrei­ben. Das Wissen hat er sich aus ande­ren Werken ange­lesen. Er soll teil­weise auch ein­fach abge­schrie­ben haben, denn das hand­schrift­li­che Kopie­ren von Tex­ten war damals üb­lich. Das hat er dann 30 bis 40 Jahre lang aus­geübt, auf über 800 Sei­ten. Das Papier dafür wurde mögli­cher­weise aus Münster und Köln be­schafft. Alters­bedingt oder auf­grund seines Todes, endet seine Ge­schichts­schrei­bung abrupt für das Jahr 1520.

Sein Werk ist viel­leicht unvoll­endet, aber bis zum behan­del­ten Jahr 1520 ist es voll­stän­dig. Eine Über­sicht über den Inhalt der Kapitel finden Sie weiter unten.

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Den Vorteil des modernen Buch­drucks erlebte Wittes Werk erst fast 250 Jah­re später, nach­dem Anton Wil­helm Aschen­dorff aus Münster darauf auf­merk­sam wurde. Er begab sich nach Lies­born, schrieb Wittes Hand­schrif­ten ab, ergänz­te 200 weite­re Seiten aus Wittes Hand als Anhang, und brachte es 1778 als ge­druck­tes Buch mit über 880 Sei­ten heraus.

In der Zeitperiode, in der Bernhard Witte lebte, wandelte sich die Ge­schichts­schrei­bung, die sich nun von antiker und bibli­scher Tradi­tion unter­scheidet. Biblische Ge­schichts­schrei­bung deu­te­te Ereig­nisse pri­mär unter dem Gesichts­punkt eines er­warte­ten Heils. Antike His­tori­ker erzähl­ten Ge­schich­te rheto­risch aus­ge­arbei­tet und exempla­risch. Wittes Blick rich­tet sich auf regio­nale Räume wie West­falen, auf Insti­tu­tio­nen und Rechts­verhält­nisse. Er sammel­te unter­schied­liche Über­liefe­run­gen, ord­nete Ereig­nisse chrono­lo­gisch und zeigt ein Be­wusst­sein für Quellen, auch wenn er sie noch nicht kri­tisch im moder­nen Sinn prüfte.

Bernhard Witte betrachtete Ge­schichte nicht mehr als Ab­folge von Gott gelenk­ter Ereig­nisse, sondern be­schreibt mensch­li­ches Handeln (inner­halb von Gottes Ord­nung). Damit steht Wittes Werk an einem Über­gang von mora­lisch-sinn­stif­ten­der Er­zäh­lung hin zu einer proto-wissen­schaft­li­chen Landes­geschichts­schrei­bung.

Bernhard Witte lebte auch in einer Zeit mit refor­mato­ri­schen Ideen. Gerade als Witte auf­ge­hört hatte zu schrei­ben (1520), war Johan­nes Wester­mann 1523 vom Studium nach Lipp­stadt zurück­gekehrt, nun als Doktor der Theo­logie, und predig­te hier die neue Lehre nach Luther, ver­mut­lich die erste refor­ma­torische Predigt in West­falen. Dahingegen war Witte kein refor­ma­to­ri­scher Autor. Er schreibt zwar nicht gegen die Refor­ma­to­ren, aber Offen­heit für deren Ideen zeigt er in seinen Texten nicht.

Aus den Texten von Witte kann man eine andere Moti­va­tion heraus­lesen: Ihm geht es immer wieder um die Be­wahrung von Ord­nung. Er wertet könig­li­che und kirch­li­che Ord­nung höher als den Wunsch nach regio­na­ler Selbst­bestim­mung. Historia West­phaliae ist deut­lich ge­prägt von dem Anlie­gen, die Konti­nui­tät der Kirche zu zei­gen, die Legi­ti­mi­tät von Bistü­mern, Klös­tern und kirch­li­cher Ordnung histo­risch zu be­grün­den, und West­falen als einen seit Jahr­hunder­ten christ­lich ge­ord­ne­ten Raum dar­zu­stellen.
Geschichte dient bei Witte als Argu­ment für Bestän­dig­keit: Was sich - aus seiner Sicht - bewährt hat, soll nicht leicht­fertig auf­ge­geben werden. Witte missio­niert nicht aktiv, sondern nutzt Ge­schich­te als eine defen­sive Selbst­verge­wisse­rung der alten Kirche.

Unten folgen Inhaltsangaben.

Text: Jörg Rosenthal, 2025.
Bitte Korrekturen, Kritik, Vorschläge u.ä. per E-Mail einsenden.

Quellen:
  • „Bernhard Witte - Sein Leben und die Handschrift seiner Westfälischen Geschichte“, J. Frommelt, Arnsberg 1908.
  • Digitalisat der Bayerischen Staats­bibliothek

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Über Liber I

Zeit: biblische Urgeschichte bis ca. 5. Jahr­hundert

Das erste Kapitel (genannt Liber I = Buch 1) von „Histo­ria West­phaliae“ um­fasst nur 45 Sei­ten (bezo­gen auf das ge­druck­te latei­ni­sche Buch von 1778). Es er­öffnet den Haupt­teil mit einer universal­geschicht­li­chen Ein­ord­nung, die von der bibli­schen Ur­geschich­te (Noah und seine Söhne) über die Auf­tei­lung der Erde bis zur anti­ken Geo­gra­phie Euro­pas führt.

Der Autor Bernhard Witte schil­dert die Ent­ste­hung und Aus­brei­tung der Völ­ker, ins­be­son­dere der Germa­nen, und be­han­delt dabei aus­führ­lich antike Monar­chien und Reiche als his­to­ri­schen Rahmen. Anschlie­ßend grenzt er Europa, Germa­nien, Sach­sen und schließ­lich West­falen geo­gra­fisch und poli­tisch von­ein­ander ab und erläu­tert die Her­kunft und Bedeu­tung des Namens West­phalia.

Ein zentraler Abschnitt widmet sich der Christi­ani­sie­rung, insbe­son­dere der frü­hen Missions­geschich­te und der Rolle karo­lin­gi­scher Herr­scher. Insge­samt dient Liber I als Funda­ment, um die Ge­schich­te West­falens aus der Welt- und Reichs­geschich­te her­zu­leiten und zu legi­ti­mieren.

Über Liber II

Zeit: ca. 5. - 8. Jahrhundert

Liber II behandelt die frühe Geschichte der Sachsen und West­falen von ihren mythi­schen und antiken Ur­sprün­gen bis in die römi­sche Kaiser­zeit. Witte beschreibt Herkunft, Lebens­weise, kriege­ri­schen Charak­ter und politi­sche Organi­sation der sächsi­schen Stämme und setzt sie in Bezie­hung zu römi­schen Autoren wie Tacitus.

Einen Schwer­punkt bil­den die Aus­einander­setzun­gen zwi­schen Germa­nen und Römern sowie auf der all­mäh­li­chen Wahr­neh­mung Germa­ni­ens durch die antike Ge­schichts­schrei­bung. Zugleich arbei­tet Witte heraus, dass die Sachsen zwar mili­tä­risch stark waren, aber sie ge­hör­ten nicht zu einer Zivi­li­sa­tion im römi­schen Sinne, d.h. nicht zu dem poli­ti­schen, recht­li­chen, reli­giö­sen und kultu­rel­len System, das durch Rom und das Chris­ten­tum ge­prägt war.
Das Kapitel be­rei­tet damit den Über­gang zur späte­ren Christi­ani­sie­rung und der Inte­gra­tion ins Fränki­sche Reich vor, indem er das „heidni­sche“ Vor­stadium der west­fäli­schen Ge­schich­te dar­stellt.

Über Liber III

Zeit: Westfalen im 8. - 9. Jahrhundert (etwa 750 - 850)

Dieser lange Abschnitt (128 Seiten) schil­dert die poli­ti­sche und kirch­li­che Ent­wick­lung Sachsens und West­falens vom Zer­fall der antiken Ord­nung bis in die Zeit der früh­mittel­alter­li­chen Königs- und Kaiser-Herr­schaft. Witte be­schreibt die Etablie­rung neuer Herr­schafts­struk­tu­ren, insbe­son­dere die Rolle der sächsi­schen „Großen“ (Herzöge, Grafen, Hoch­adel, Bischöfe) bei Königs­wahlen und Reichs­versamm­lun­gen.

Einen großen Teil macht die Ge­schich­te der kirch­li­chen Mission und kirch­li­chen Organi­sa­tion aus, vor allem die Grün­dung von Bistü­mern und Klös­tern. Dabei ver­bin­det Witte welt­liche Ereig­nisse eng mit kirch­li­chen Ent­wick­lun­gen und deu­tet poli­ti­sche Stabi­li­tät als Folge christ­li­cher Ord­nung.

Über Liber IV

Zeit: Westfalen im 9. - 11. Jahrhundert (etwa 850 - 1100)

Liber 4 behandelt die Herr­schaft der Ottonen (ca. 919-1024) und Salier (ca. 1024-1125) und die zu­nehmende Ein­bin­dung Sachsens und West­fa­lens in die Poli­tik des ost­frän­kisch-deutschen Reichs (Heili­ges Römi­sches Reich). Witte schreibt über Kaiser- und Königs­wahlen, dynas­ti­sche Kon­flikte, Auf­stände sowie Loyali­tä­ten der sächsi­schen Großen gegen­über dem Reich.

Einen Schwerpunkt bil­det das Zusam­men­spiel von welt­li­cher Macht und Kirche, insbe­son­dere die Rolle von Bischö­fen, Klös­tern und kirch­li­chen Refor­men. Westfalen er­scheint dabei poli­tisch be­deu­tend, aber zu­gleich als ein kon­flikt­träch­ti­ges Gebiet. Hier wird die Reichs­geschich­te aus regio­na­ler Pers­pek­tive dar­ge­stellt - und berei­tet auf späte­re Zu­spitzun­gen zu Macht­kämpfen vor.

Über Liber V

Westfalen im 12. Jahrhundert (etwa 1120 - 1220)

Hier erscheint das hoch­mittel­alter­liche West­falen im Kontext der großen Reichs­konflikte des 12. und frühen 13. Jahr­hun­derts. Witte schil­dert aus­führ­lich die Spannun­gen zwischen Kaiser­tum, Fürs­ten und geist­li­cher Macht, z.B. zwischen sächsi­schem Adel, Bischö­fen und dem Reich. Man liest vom Macht­verlust der sächsi­schen Herzöge und der Neu­ord­nung der poli­ti­schen Ver­hält­nisse.

Dabei betont Witte immer wieder die morali­sche und reli­giöse Be­wer­tung histo­ri­scher Ereig­nisse und deutet Nieder­lagen und Erfolge als Folge gött­li­cher Gerech­tig­keit. In die­sem Kapitel er­fährt man den Über­gang zu einer stär­ker frag­mentier­ten Territo­rial-Struktur.

Über Liber VI

Westfalen im 13. Jahrhundert

Das 6. „Buch“ ist mit 136 Seiten das umfang­reich­ste und be­handelt die Reichs- und Regional­geschichte West­falens im 13. und frühen 14. Jahr­hun­dert und schil­dert weiter­hin die poli­ti­schen Spannun­gen zwi­schen Kaiser­tum, Fürs­ten und geist­li­chen Terri­to­rien.
Witte legt einen Schwer­punkt auf Thron-Streitig­keiten, Kaiser-Wechsel und deren Aus­wir­kun­gen auf Sachsen und West­falen. Natur-Ereig­nisse, Hungers­nöte, Wunder­zeichen und außer­gewöhn­liche Begeben­hei­ten werden als gött­liche Hin­weise zur Deu­tung der Ab­läufe einge­bun­den.

Über Liber VII

Westfalen im 14. Jahrhundert

Liber 7 schildert die Geschich­te in der Zeit der Luxem­bur­ger, welche die Reichs­poli­tik in der Zeit von 1308 bis 1437 be­stimm­ten, insbe­son­dere unter Kaiser Karl IV., bekannt durch die Goldene Bulle von 1356. Witte be­schreibt wichti­ge poli­tische Er­eig­nisse wie Herr­schafts­wechsel, Bünd­nisse und Konflik­te jetzt auch mit den (auf­stre­ben­den) Städ­ten.

Ein beson­de­res Augen­merk liegt auf der wachsen­den Bedeu­tung der Städte, ihrer Privi­le­gien und ihrer Rolle in regiona­len Macht­struk­turen. Zugleich behan­delt Witte kirch­liche An­gelegen­hei­ten, Stifts- und Klos­ter­geschich­te sowie ihren Ein­fluss auf Poli­tik und Ge­sell­schaft.

Über Liber VIII

Westfalen um 1370 - 1400

Im 8. Kapitel findet die spät­mittel­alter­liche Ge­schichte West­falens ihren Schwer­punkt bei inne­ren Konflik­ten, Fehden und regio­na­len Macht­kämpfen. Witte be­schreibt Aus­einander­setzun­gen zwi­schen Städ­ten, Adel und geist­lichen Herr­schaften sowie deren Einbin­dung in größere Reichs­konflikte. Beson­ders hervor­geho­ben werden recht­liche Strei­tig­kei­ten, Bünd­nisse und mili­tä­ri­sche Akti­vi­tä­ten, die die poli­tische Land­schaft prägen.

Die Kirchen bleiben weiterhin ein stabi­li­sie­ren­der, aber auch konflikt­beteilig­ter Faktor. Liber VIII zeigt West­falen als poli­tisch stark fragmen­tier­ten Raum, dessen Ge­schich­te von regio­na­len Inte­res­sen be­stimmt wird.

Über Liber IX

Westfalen im 15. Jahrhundert

Kapitel 9 behandelt die letz­ten von Bern­hard Witte dar­gestell­ten Ereig­nisse der west­fäli­schen Geschich­te bis zum frü­hen 16. Jahr­hun­dert und führt die spät­mittel­alterli­chen Kon­flik­te fort. Witte schil­dert poli­ti­sche Unruhen, kirch­liche Miss­stände, Reichs- und Papst­politik sowie deren Aus­wirkun­gen auf West­falen. Einen brei­ten Raum nehmen recht­liche Aus­einander­setzun­gen, päpst­liche Bullen, Privi­legien und kirch­li­che Straf­androhun­gen ein, die den engen Zu­sammen­hang von Poli­tik, Recht und Kirche ver­deut­lichen.

Zeitzeichen wie Wunder, Unruhen und morali­scher Ver­fall werden von Witte aus­drück­lich als Symp­tome einer krisen­haften Epoche inter­pre­tiert. Das Buch endet abrupt mit dem Ab­bruch von Wittes Schreib- und Lebens­werk und ver­leiht seiner "Histo­ria West­phaliae" insge­samt den Charak­ter eines unvoll­ende­ten, aber ge­schlos­senen histo­ri­schen Ab­hand­lung.

Über den Anhang

Im gedruckten Buch von 1778 gibt es einen Anhang, der stolze 200 Sei­ten um­fasst. Er be­steht eben­falls aus Texten von Bern­hard Witte, jedoch sind es Texte aus seinem Nach­lass, die er bis zu seinem Tod (1534) nicht dem Haupt­werk hin­zu­gefügt hatte.
Deshalb hat der Heraus­geber des Drucks von 1778, Anton Wil­helm Aschen­dorff, die Hand­schrif­ten aus Wittes Nach­lass aus­gewählt und dem ge­druck­ten Werk an­ge­fügt.

Zwei Appendices widmen sich konkre­ten west­fäli­schen Kon­flik­ten, näm­lich der Schlacht bei Soest (Soes­ter Fehde) und den inne­ren Kriegen von Münster, und verbin­den Chronik mit morali­scher Deu­tung. Ein weite­rer Appen­dix schil­dert detail­liert die Ge­schichte des Klosters Lies­born, seiner Äbtis­sinnen und Äbte, und ver­ankert das Werk in Wittes klöster­li­chem Umfeld. Den größ­ten Teil nimmt die Dar­stel­lung be­rühm­ter Mit­glie­der des Bene­dik­tiner-Ordens ein.