2025 wurde Alexander Tschense (parteilos) zum Bürgermeister der Stadt Lippstadt gewählt.
In einer Stichwahl konnte er sich mit 53% der Stimmen knapp gegen den bisherigen Bürgermeister Arne Moritz (CDU) durchsetzen.
Der neue Lippstädter Stadtrat ab 2025 besteht aus 62 Ratsmitgliedern, mit folgender Verteilung: CDU 21 Sitze, SPD 14, AfD 9, Grüne 6, FDP 3, BG 4, Linke 3 Sitze, CDL 1 und BSW 1 Sitz.
Kreis Soest: Nach 18 Jahren im Amt trat Landrätin Eva Irrgang (CDU) nicht erneut zur Wahl an. Zu ihrem Nachfolger wurde 2025 der NRW-Landtagsabgeordnete Heinrich Frieling (CDU) gewählt.
![]() Bürgermeisterstab von 1525 im Stadtmuseum, Unterwerfung des wilden Mannes |
![]() Bürgermeister Jakob Koenen, Amtszeit 1948 - 1974 |
Im Bürgerbuch von 1810 gibt es eine Liste früherer Bürgermeister bis 1805.
Zu meiner Überraschung ist die Liste des Zeitraums von 1576 bis 1805 ganze 12 Seiten lang,
kleingeschrieben, mit zahlreichen Namen, denn es gab damals eine Doppelspitze und zudem eine jährliche Neuwahl der beiden Bürgermeister durch den Stadtrat.
Die umfangreiche Liste werde ich wohl nicht abtippen, solange es zu den Namen keine interessanten Geschichten gibt.
| Lebenszeit | Amtszeit | Name | Bemerkung |
| seit 2025 | Bürgermeister Alexander Tschense (parteilos) | ||
| 2020 - 2025 | Bürgermeister Arne Moritz (CDU) | während Corona, Tornado 2022 | |
| 2005 - 2020 | Bürgermeister Christof Sommer (CDU) | Hochschule (HSHL), Notunterkünfte Flüchtlinge, Sanierung Stadttheater, Entscheidung Stadthaus-Neubau | |
| 1997 - 2005 | Bürgermeister Wolfgang Schwade (CDU) | ||
| *1942? ✝2012 | 1994 - 1997 | Bürgermeister Klaus Helfmeier (SPD) | letzter BM im Ehrenamt |
| *1937 ✝2023 | 1984 - 1994 | Bürgermeister Franz Klocke (CDU) | |
| *1920 ✝2017 | 1975 - 1984 | Bürgermeisterin Dr. Barbara Christ (CDU) | Lebenshilfe Gründung und Vorsitzende |
| 1974 | Bürgermeister Dr. Gerhard Wolf (FDP) | ||
| *1907 ✝1974 | 1948 - 1974 | Bürgermeister Jakob Koenen (SPD) | Hallenbad: Jakob-Koenen-Bad |
| 1935-1945 | Bürgermeister Friedrich Fuhrmann | ||
| 1933 - 1935 | Bürgermeister Heinrich Simon (NSDSAP) | Wikipedia, ab 1936 Landrat Kreis Lippstadt | |
| - 1933 | Bürgermeister Gottfried Holle (Zentrum) | Herbstwoche 1926 / Amtsenthebung durch NSDAP 1933 | |
| 1900 - min. 1915 | Bürgermeister Nohl | Kriegswahrzeichen > Bernhardbrunnen | |
| ? | |||
| *1833 ✝1905 | 1871-1880 | Bürgermeister Ernst Theodor Bleek | Wikipedia |
| 1847-1871 | Bürgermeister Schulz | ||
| um 1850 | Bürgermeister Friedrich(?) Evertsbusch | ||
| 1832-1847 | Bürgermeister Friedrich Bertram | Eisenbahn / Schützenkönig 1835 / Sparkasse gegründet 1842 | |
| 1821? - 1830? | Bürgermeister Gallenkamp | ||
| 1794-1804 | Bürgermeister Gilles Delhaes
Bürgermeister Johann Konrad Rose |
Bau des Stadtpalais | |
| Bürgermeister Diedrich Heinrich Andreas Zurhelle | 1761 hatte Familie das Haus Köppelmann gekauft | ||
| 1770 - 1792 | Bürgermeister Johann Anton Arnold Möller | Buch „Alte Nachrichten von Lippstadt“ 1785 | |
| 1766(?) - 1769 | Bürgermeister Johann Heinrich Schmitz | ||
| 1765-1766 | Bürgermeister Johann Conrad Kellerhaus | ||
| - 1765 | Bürgermeister Dr. Johann Conrad Rose | Kollektenreise für Jakobikirche 1755 | |
| ✝1721 | 1695-1721? | Bürgermeister Diederich Ernst Zahn | |
| *1612 ✝1689 | Bürgermeister Diederich Epping | Wikipedia (Eppink),
Stifter des Hochaltars in der Marienkirche, Gutsherr auf Schenkenhof zu Effeln | |
| 1627 - | Bürgermeister Christoph Epping | Klosterverwalter zu Lippstadt | |
| ? | |||
| um 1575 | Bürgermeister Ludwig Geissel | Überfall Weckinghausen | |
| um 1469 | Bürgermeister Lubbert Synszemann | reiste 1469 zum Hanse-Regionaltag nach Soest |
Nach dem Zweiten Weltkrieg war in Nordrhein-Westfalen das sogenannte Zweisäulenmodell eingeführt worden. Es trennte die politische Leitung (Bürgermeister) von der Verwaltungsspitze (Stadtdirektor). Der ehrenamtliche Bürgermeister war Vorsitzender des Stadtrats und Repräsentant der Stadt. Der hauptamtliche Stadtdirektor war Verwaltungschef und leitete die Stadtverwaltung operativ.
Doch diese Doppelstruktur wurde durch eine kommunale Verfassungsreform von 1994 wieder abgeschafft. Seit den Kommunalwahlen im Jahr 1999 gibt es in NRW nur noch den Bürgermeister, seither hauptamtlich tätig, direkt von den Bürgern gewählt und nun auch Verwaltungschef. Diese Änderung sollte die Entscheidungsprozesse in den Kommunen vereinfachen und klarere Verantwortlichkeiten schaffen.
• Zur Blütezeit der Hanse im 14. Jahrhundert, beanspruchten 200 Städte für sich zur Hanse zu gehören, auch Lippstadt. Die meisten Städte waren wenigen Großstädten untergeordnet, d.h. nur Großstädte wie Dortmund und Soest fuhren nach Lübeck und hatten Stimmrecht in der Versammlung. 1469 reiste der Lippstädter Bürgermeister Lubbert Synszemann zum Regionaltag nach Soest, um sich dort zu informieren.
• Die Kahlenstraße soll nach Familie Kahle benannt sein, die dort gewohnt haben soll. Schon 1476 wurde die Calenstraße erwähnt (Quelle: Scholand). Jost Kahle war von 1608 bis 1616 Bürgermeister der Stadt Lippstadt (Quelle: Bürgerbuch).
• Bürgermeisterstab von 1525: "... markierte im Jahr 1925 den Startschuss für die heutige Sammlung des Stadtmuseums. Kurz darauf folgte [...] auch ein aufwändig verzierter Bürgermeisterstab aus dem Jahre 1525, welcher vom damaligen Bürgermeister (1925?) selbst an das Museum übergeben wurde und bis heute dort zu sehen ist."
• Metzger-Zunft: Das erste Metzgeramtshaus fiel am 25. Juli 1656 dem dritten Stadtbrand zum Opfer. Das Geld zum Bau eines neuen Hauses liehen sich die 30 Amtsbrüder vom Bürgermeister Klüsener. Durch die 30 Unterschriften auf dem Darlehnsvertrag sind uns die damaligen Mitglieder der Metzgeramts heute überliefert.
• "Diederich Ernst Zahn, geboren 1658, studierte Jura, wurde 1690 Auditeur [rechtlicher Prüfer] bei dem hiesigen Gouverneur de Briquemart [Festungsverteidigung], wurde Gräflich Lippischer Advocatus Fisci, seit 1695 sechs und zwanzig Jahr Bürgermeister dieser Stadt, 1717 Königlich Preußischer Steuerrath. Er starb 1721."
• 1761 kaufte Familie Zurhelle das Haus Köppelmann an der Langen Straße. Familie Zurhelle war eine Lippstädter Kaufmannsfamilie, aus der später auch ein Lippstädter Bürgermeister hervorging. Das letzte Wohnhaus der Familie Zurhelle an der Cappelstraße wurde 1908 abgerissen, dort wo seitdem das Reichsbankgebäude steht (ehemalige Landeszentralbank).
• Ratschläge zu Ackerbau und Viehzucht: Am 1. September 1784 gab der Bürgermeister Möller ein „Lippstädtisches Bürgerblatt zum Nutzen des Nahrungsstandes und zur Beförderung gemeinnütziger Kenntnisse“ heraus, das einmal im Monat nützliche Ratschläge gab zu Ackerbau und Viehzucht und Anweisungen zur Anfertigung landwirtschaftlicher Geräte.
• Spenden-Tour: Die neue Turmhaube der Jakobikirche von 1755 konnte erst errichtet werden, nachdem sich der Lippstädter Bürgermeister Rose auf eine Kollektenreise nach Norddeutschland aufgemacht hatte.
• 1799: Der Besuch der preußischen Königin Luise, die hübsch und beliebt war, sollte DAS Großereignis für Lippstadt des Jahres 1799 werden. Um Königin Luise gab es einen richtigen Kult, und umso größer war die Enttäuschung als die Lippstädter erfuhren, dass nur der König kommen wird. Der Lippstädter Bürgermeister schrieb sogar noch einen Brief an das Königshaus, um sich zu erkundigen, ob Luise wirklich nicht kommt.
• Januar 1824, die Rache der Holzdiebe: "Diebereien sind im vergangenem Monat außer einigen Holzdiebstählen, die auch bestraft wurden, nicht vorgekommen. Diese Bestrafung hat wahrscheinlich zur Folge gehabt, daß dem Bürgermeister Gallenkamp zur unnötigen Danksagung 42 der schönsten Obstbäume auf seinem Garten, die bereits 50 Jahre gestanden haben, reinweg abgesägt worden sind, so daß dieselben absterben müssen."
• Lippische Gräfin Luise als Schützenkönigin: Auch in Lippstadt wurde 1827 die noch bestehende Schützenkompanie reorganisiert, es traten ihr sofort 200 Männer als aktive Schützen bei. Fast hätte es Streit gegeben, denn die Lippstädter hatten die Satzung zuerst dem Nachfolger der Klever, der preußischen Regierung in Arnsberg zur Genehmigung vorgelegt. Die Lipper in Detmold fühlten sich dadurch sehr gekränkt, war es doch das Haus Lippe gewesen, das von Beginn an und ausschließlich eine enge Beziehung zum Schützenverein hatten. Doch als wenige Jahre später (1834) der preußische Offizier und Bürgermeister Bertram den Vogel abschoss und sich die lippische Gräfin Luise zur Schützenkönigin erwählte, war alles wieder im Lot.
• Gründung der „Spar-Casse“: Bürgermeister Bertram verpflichtete am 10. Dezember 1841 die Mitglieder der Sparkassenverwaltung mit Handschlag. Dabei händigte er den Administratoren 500 Quittungsbücher und Statuten aus und bat sie die Spar-Casse mit dem 1. Januar 1842 zu eröffnen und dem Publicum bekannt zu machen.
• Zimmer im Rathaus: Der Oberlehrer Franz Kersting schrieb 1905 über den gelungenen Umbau des Rathauses: "Unten befinden sich die Wachtstube und das Polizeikommissariat, Standesamt, Geschäftszimmer für Steuersachen, Stadtkasse, Sparkasse nebst feuerfester Kammer, Wohnung des Kastellans und drei Arrestzellen; oben sind dagegen Stadtbauamt, Ziviltrauungszimmer, Stadtverordnetensaal, Magistratszimmer, Kanzlei, die Zimmer für den Bürgermeister und Stadtsekretär sowie die Aktenstube untergebracht."
• Bei Kriegsende besetzen zuerst US-amerikanische Truppen, später britische Truppen Lippstadt, zerstörten die alten Strukturen und sorgten für einen demokratischen Neuanfang. 1948 wurde der Polsterermeister und SPD-Politiker Jakob Koenen der erste Nachkriegsbürgermeister der Stadt und blieb es bis zu seinem Tod 1974.
• Dr. Barbara Christ: "Die gebürtige Lippstädterin hatte sich 1952 als Kinderärztin in Lippstadt niedergelassen. Vier Jahre später trat sie in den Stadtrat ein. 1975 wurde sie zur Bürgermeisterin gewählt. 21 Jahre lang war sie Vorsitzende der Lebenshilfe. Sie erhielt die goldene Plakette des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, das Ehrenkreuz der Bundeswehr, den Ehrenring der Stadt Lippstadt, und wurde als erste Frau Ehrenbürgerin der Stadt." (Quelle: Der Patriot, 21.09.2017)
• Am 28. November 2008 konnten Christof Sommer und Hamms OberBürgermeister die frohe Botschaft verkünden: Lippstadt und Hamm bekommen eine von drei neuen staatlichen Hochschulen in NRW.
Im Hochmittelalter war es nicht selbstverständlich, dass eine Stadt überhaupt einen Bürgermeister hatte. Das war vom Landesherrn abhängig und ob er seiner Stadt eine Selbstverwaltung zugestehen wollte oder nicht. Anfangs lag die Verwaltung oft in den Händen eines vom Stadtherrn eingesetzten Vogts oder Schultheißen. Diese handelten im Auftrag des Stadtherrn und vertraten seine Interessen.
Die Lippstädter hatten das Glück, die Nachbarstadt von Soest zu sein, wo es das erste im deutschen Raum aufgezeichnete Stadtrecht gab. Das Lippstädter Stadtrecht wurde beim Soester abgeschrieben. Das Soester Stadtrecht war im Vergleich mit anderen (späteren) mittelalterlichen Stadtrechten ungewöhnlich freizügig - es bot den Bürgern viel Autonomie und Schutzrechte. Dies trug mit zur wirtschaftlichen und politischen Blüte der Stadt Soest bei, die damals eine der größten Städte des Mittelalters wurde.
Und so kam Lippstadt von Anfang an zu einem Stadtrat und Bürgermeistern. Die Ratsherren gehörten höchstwahrscheinlich der neuen Kaufmanns-Elite an (Ortsadel, Patriziat). Formal waren die Ämter nicht erblich, jedoch entwickelte sich in vielen Städten eine geschlossene Oberschicht mit dynastieartige Strukturen: Reiche Familien heirateten untereinander und verschafften ihren Söhnen durch Bildung, Geld und Netzwerke die besten Chancen auf ein Amt (Ämterpatriziat).
Ein Rathaus in Lippstadt wurde erstmals 1238 urkundlich erwähnt. „Nächst dem Soester und Dortmunder Rathause ist das Lippstädter das älteste, urkundlich nachweisbare in Westfalen“ (Westfälisches Urkundenbuch III 353).
Ab dem Spätmittelalter forderten Zünfte und später das Bürgertum mehr Mitsprache. Und danach gelang auch neuen Berufen ein wirtschaftlicher Erfolg, z.B. Bankiers und Manufakturbesitzern. In vielen deutschen Staaten wurden kommunale Verfassungen modernisiert (z.B. die preußische Städteordnung von 1808), wodurch bürgerliche Gleichberechtigung gefördert wurde.
Parteien entstanden in Deutschland erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts und festigten sich erst während der Weimarer Republik. Heutzutage ist für politische Posten überwiegend ein langjähriges Engagement als Parteimitglied ausschlaggebend.