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Foto von Stadtgründer-Statue
Bernhard II. als Statue auf dem Bernhardbrunnen in Lippstadt
Foto: von Tilman2007 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link (Bildausschnitt)

Die Anfänge der Edelherren zur Lippe

Bernhard II. zur Lippe

Die Lippstädter kennen "Graf" Bernhard II. (der aber gar kein Graf war) als den Stadt­gründer von Lipp­stadt (1185) und als Ritter-Statue in Bronze auf dem Bernhard­brunnen am Ende der Lipp­städ­ter Fuß­gänger­zone. Als Stadt­gründer ist er auch in der Lippi­schen Stadt Lemgo (1190) bekannt, hat dort aber keine Skulp­tur be­kommen.

Bernhard II. lebte von ca. 1140 bis 1224 und ist der Erste aus der Fami­lie zur Lippe, über den es nennens­werte schrift­liche Über­liefe­run­gen gibt. Durch ihn er­hielt die Herr­schaft der Fami­lie zur Lippe einen ganz er­heb­li­chen Schub.

Sein Vater und Onkel

Sein Vater Hermann I. und des­sen Bruder Bern­hard I. wurden zwar nament­lich schrift­lich er­wähnt, aber es ist kaum etwas über sie be­kannt. Als Edel­herren (nobiles) ge­hör­ten sie zum niede­ren Adel, d.h. sie waren nicht gräf­lich, aber mit eige­ner Herr­schaft und stan­den über den Minis­teria­len (Amts­männer des Königs). Es gibt eine Ver­mutung, dass die Fami­lie zur Lippe aus einer Seiten­linie der Grafen von Werl stam­men könnte.

Die beiden Brüder haben wahrschein­lich um 1150 das Kloster Cappel ge­stif­tet. Da jedoch keine Grün­dungs­urkunde vor­han­den ist, gibt es da­für keinen schrift­lichen Beleg.

Übrigens, bei den Vornamen gab es die Zäh­lung „I.“ und „II.“ usw. in jenen Jahr­hunder­ten noch nicht, sondern wurde erst viel später bei der genea­logi­schen Syste­mati­sie­rung nach­träg­lich ein­ge­fügt. Also waren die Brüder Her­mann I. und Bern­hard I. nicht unbe­dingt die Grün­dungs­väter die­ser Herr­schafts­familie zur Lippe, sondern es waren eher zu­fäl­lig die frühes­ten Namen bzw. Perso­nen, die man nach­träg­lich aus Er­wäh­nun­gen in sehr alten Ur­kun­den heraus­lesen konn­te, z.B. bei Schen­kun­gen an Klös­ter. Der niede­re Adel be­gann erst später mit eige­ner Chronis­tik, mit dem Zweck der Legi­ti­mie­rung seiner Herr­schaft.

Zur Mutter von Bernhard II. gibt es keine Er­wäh­nung. Es wird ver­mu­tet, dass sie aus dem Hause Rheda stamm­te. Die erste nament­lich ge­nann­te Frau ist Heilwig von Are als Ehe­frau von Bern­hard II., siehe weiter unten.

Bernhard II. hatte einen älteren Bruder namens Hermann. Die­ser älte­re Bruder soll­te die Herr­schaft Lippe erben und wurde wahr­schein­lich zum Ritter aus­ge­bil­det. Als jünge­rer Bruder war Bern­hard II. des­halb ur­sprüng­lich (nur) für eine geist­liche Lauf­bahn vor­ge­sehen, z.B. im Dienst eines Bischofs. Im Hoch­mittel­alter war diese Strate­gie im Adel ver­brei­tet, um die Herr­schaft nicht auf­teilen (nicht zer­split­tern) zu müssen und um auch kirch­liche Macht in die Fami­lie zu holen, z.B. bei einer Wahl zum Bischof.

Ausbildung, Erbe, Ehe

Historiker gehen davon aus, dass Bern­hard II. eine theo­lo­gi­sche Aus­bildung in der Dom­schule Hildes­heim er­hielt. Doch der Plan der Fami­lie ging nicht auf, weil der ältere Bruder früh starb (1163, Ursache unbe­kannt). Er er­hielt des­halb nach­träg­lich nicht die Ord­nungs­zahl „II.“ im Namen, weil er starb, noch bevor er die Herr­schaft Lippe erben konn­te.

Nun wurde Bernhard II. für die Dynas­tie ge­braucht, d.h. er muss­te seine geist­liche Lauf­bahn ab­brechen und in den welt­lichen Stand zurück­kehren. Er erhielt nun eine ritter­liche Aus­bil­dung. Da West­falen zum (Stammes)­Herzog­tum Sachsen ge­hörte, hat Bern­hard seine Aus­bildung wo­möglich in Braun­schweig er­hal­ten, am Hofe des Herzogs von Sach­sen (zu jener Zeit: Hein­rich der Löwe) und wurde dort zum Ritter ge­schla­gen.

Als Vater Hermann I. 1167 an einer Seuche starb, erbte Bern­hard II. (unge­fähr 27 Jahre alt) das Haus Lippe und musste in kürzes­ter Zeit die Herr­schafts­verwal­tung über­neh­men, sowie die Gerichts­bar­keit und die mili­tä­ri­sche Füh­rung.

Um 1167/1170 heirateten Bernhard II. und Heilwig von Are, hoch­adlige Rhein­länderin, Tochter des Grafen von Are-Hoch­staden, mit Ur­sprung im Ahr­tal (heute Land­kreis Ahr­weiler). Ich finde es witzig, dass beide Fami­lien nach einem Fluss heißen.
Da Bernhard II. kein Graf war, hat er „nach oben ge­heira­tet“. Die Ehe war einer wirk­samer Hebel zum Auf­stieg des Hauses Lippe. Dies zeigt sich auch in den späte­ren Karri­eren ihrer 11 Kin­der, die über­wie­gend Bischö­fe oder Äbtis­sin­nen wurden.


1177: Krieg gegen das Erzbistum Köln,
Belagerung von Soest,
Verlust Westfalens 1180

Wenige Jahre bevor die Idee zur Grün­dung einer Stadt (Lipp­stadt) auf­kommen konn­te, kam es zu einem ent­schei­denen Kampf um West­falen. Tradi­tio­nell gehörte West­falen zum Herzog­tum Sachsen (mit West­falen, Nieder­sachsen, Engern und Ost­falen). Das war jedoch kein durch­gehen­des Terri­to­rium, sondern ein Mosaik aus An­sprüchen, z.B. unserer Edel­herren zur Lippe mit ihrem Besitz ent­lang des Flusses.
Und der Kölner Erzbischof (Erz­bistum Köln) be­anspruch­te die Stadt Soest. Und um Erwitte stritt Köln sich mit dem Bistum Pader­born. Dies alles war legal, solange der römisch-deutsche Kaiser es dulde­te und als Schieds­richter funktio­nierte.

Jedoch war Kaiser Friedrich Barba­rossa zu jener Zeit mit einem Krieg in Italien be­schäf­tigt und inte­res­sierte sich wenig für West­falen. Doch der Kölner Erz­bischof inte­res­sier­te sich für West­falen und woll­te darin weiter expan­die­ren. Das sah der Herzog von Sachsen aber anders. Deshalb ge­rieten sie 1177 in Streit, belager­ten und zer­stör­ten gegen­seitig die Städte und Burgen auf ihren Ge­bie­ten (Sächsi­scher Krieg 1177-1181).

Bernhard II. nahm Partei für den Herzog von Sachsen, wo er aus­ge­bildet wor­den war. In der Chronik ↗„Cosmo­dromium“ (Welten­lauf) steht ge­schrie­ben (über­setzt): „In die­sem Jah­re [1177] be­setzt EH Bern­hard [II.] zur Lippe, der auf Seiten des [Sachsen]Herzogs steht, den ↗Leven­berg (Löwen­berg? bei Biele­feld) und be­festigt ihn. Das führte zu einem schwe­ren Zer­würf­nis zwi­schen Bern­hard und dem Grafen Her­mann von Ravens­berg“, der auf der Seite des Kölner Erz­bischofs stand.

Da für unser Gebiet an der Lippe über­liefert ist, dass im glei­chen Jahr 1177 die hiesi­ge Nicolai-Siedlung mit der Nikolai­kirche durch die Kölner bzw. Kölner Verbün­de­te zer­stört wurde, kann man an­nehmen, dass es sich dabei um einen Rache­akt handel­te. Oder viel­leicht in umge­kehr­ter Reihen­folge?
Die Nikolaikirche könnte für Bern­hard eine beson­dere Be­deu­tung ge­habt haben, denn bei Bau­beginn 1150 war Bern­hard 10 Jah­re alt und viel­leicht war die Bau­stelle in der direk­ten Nach­bar­schaft für ihn und seinen Bruder bzw. Ge­schwis­ter ein Spiel­platz wäh­rend der Jugend.

Bernhard II. soll 1179 an der Schlacht auf dem Haler Feld be­teiligt ge­wesen sein (bei ↗Lotte-Halen, 10 km hinter Osna­brück), wobei der Graf von Tecklen­burg gefan­gen ge­nommen wurde.
So wie Bernhard unterstützte auch Widu­kind von Rheda (der mögli­cher­weise mit Bern­hard ent­fernt ver­wandt war) den Herzog von Sachsen und be­teilig­te sich an Aktio­nen gegen das Erz­bistum Köln.

Am 28. Okto­ber 1179 nah­men Bern­hard und Widu­kind mit ihrer be­waff­ne­ten Ge­folg­schaft (viel­leicht rund 200 Männer?) die kölni­sche ↗Stadt Medebach im Sauer­land ein und zer­stör­ten sie völlig, wahr­schein­lich durch das Nieder­brennen der Fach­werk­bauten.

Auch an Soest versuch­ten sie sich mit einer Belage­rung, scheiter­ten jedoch an der Soester Stadt­mauer. Vielleicht kam Bern­hard durch diesen Fehl­schlag auf den Ge­danken, dass ihm eine eigene be­festig­te Stadt gut stehen würde.

Als 1180 der Kaiser ins Reich zurück­kehrte, verlor der Herzog von Sachsen die kaiser­liche Unter­stüt­zung und hatte nun auch die Trup­pen des Reichs gegen sich. Deshalb unter­warf sich der Sachsen­herzog 1181. Seine Eigen­güter durfte er be­halten, aber seine beiden Herzog­tümer Sachsen und Baiern verlor er. Das alte, groß­räu­mige Stammes­herzog­tum Sachsen hörte damit auf zu exis­tie­ren. Westfalen wurde dem Erz­bischof von Köln über­tragen und das ↗Herzog­tum West­falen (unter Kölner Herr­schaft) wurde ge­grün­det.

Stadtgründung an der Lippe

Der Kölner Erzbischof, nun als neuer Herzog von West­falen und Engern, er­hielt in seinem neuen Herzog­tum West­falen das allei­nige Recht auf Stadt­gründun­gen. Deshalb könn­ten wir heute denken, dass Bern­hard II. nicht das Recht ge­habt hätte, eine Stadt zu grün­den. Doch Bern­hards Herr­schafts­gebiet gehörte gar nicht zum dama­li­gen West­falen, sondern lag öst­lich der kölni­schen West­falen­grenze. Außerdem hatte Bern­hard sein Gebiet als Allodial­besitz ("Voll"­besitz), d.h. es war kein könig­li­ches Lehen, sondern sein Eigen­tum. Und darauf durfte er Städte grün­den, ohne um Er­laub­nis bit­ten zu müssen.

Es gibt jedoch die Mantel-Anekdote, die im Lippi­florium auf­ge­schrie­ben wurde (erst nach­träg­lich 70 Jahre später). Demnach hatte Bern­hard 1184 den Kaiser um Er­laub­nis gebe­ten, eine Stadt (Lipp­stadt) grün­den zu dürfen. Falls die Ge­schich­te so oder ähn­lich statt­gefun­den hat, könnte es eine Vor­sichts­maßnahme ge­wesen sein, um hier­über keinen Streit oder eine baldige Zer­störung der neuen Stadt durch kaiser­liche Truppen oder den Nach­barn (Erz­bistum Köln) zu ris­kie­ren. Es könnte aber auch eine er­funde­ne Ge­schich­te sein, ent­weder zur Unter­haltung oder um die Grün­dung der Stadt nach­träg­lich zu legi­ti­mieren.

Zu jener Zeit waren die heu­ti­ge Cappel­straße und Kolping­straße noch Pfade, die als Handels­wege zwi­schen Sauer­land, Rhein und Weser ge­nutzt wur­den. Man geht da­von aus, dass sich an dieser Kreu­zung bereits Kauf­leute an­ge­sie­delt hatten (die Nikolai-Siedlung mit der um 1150 ge­bau­ten Nikolai­kirche).

Ein paar hundert Meter weiter an der Lippe soll das Herren­haus (Hermeling­hof oder Burg?) der Edel­herren zur Lippe ge­le­gen haben. Östlich der Cappel­straße wurde dann die Stadt zur Lippe plan­mäßig ange­legt. Als Gründungs­jahr haben sich die Histo­ri­ker auf das Jahr 1185 ge­einigt. Die Keimzelle Lipp­stadts war so klein, dass die noch zu bauende Marien­kirche im geo­metri­schen Zen­trum lag.

Nach der Gründung Lippstadts be­schäf­tig­te Bern­hard II. sich mit den neuen Ge­bie­ten am Teuto­bur­ger Wald und grün­dete 1190 die Stadt Lemgo. Anschlie­ßend ver­anlass­ten er und sein Sohn Her­mann II. den Bau der ↗Falken­burg süd­lich von Det­mold. Deshalb findet die zweite Lebens­hälfte von Bern­hard außer­halb Lipp­stadts statt und wird im Folgen­den nur noch in der Zeit­tafel be­schrie­ben. Er kam aber 1220 nach Lipp­stadt zurück, um die Marien­kirche zu weihen. Aus die­ser Zeit soll auch die Stadt­rechts-Urkunde stammen.

Einen weiteren Text im ähnli­chen Stil über Lipp­stadt und das Haus zur Lippe finden Sie hier: Lippstadts Verpfän­dung 1376 und die Samt­herr­schaft bis 1851.

Zeittafel nach der Gründung von Lippstadt

1185Gründung der Abtei Marienfeld (Besiedlung mit 13 Mönchen aus Harde­hausen); gilt als Sühne- und Konsoli­die­rungs-Stiftung nach den Konflik­ten der 1170/80er Jahre
1189Die Edelherren zur Lippe verfügen spätestens seit 1189 nördlich des Teuto­burger Waldes über Vogtei-/Lehns­rechte und Besitzun­gen: bilden Grund­lage für spätere Expan­sion Richtung Lemgo/Detmold
1190Erbschaft der Herrschaft Rheda nach dem Tod Widukinds von Rheda, erweitert die lippische Macht­basis deutlich
1190Stadtgründung Lemgo
1192Bau der Falkenburg südlich Detmolds (bei Berle­beck), trotz Wider­stands des Pader­borner Lehns­herren. Strate­gi­scher Schritt zur dauer­haften Veranke­rung der Herr­schaft jen­seits des „Osnings“ (Teuto­burger Wald)
um 1195Hermann II. (Sohn) wird Mitregent und über­nimmt zu­nehmend die Regierungs­geschäfte. Bernhard berei­tet damit seinen Rück­zug aus der welt­lichen Herr­schaft vor
1197Bernhard wird in einer Abschrift einer Schenkungs­urkunde für Marien­feld noch als Edelherr be­zeichnet. Das zeigt, dass der Ordens­eintritt zu diesem Zeit­punkt noch nicht sicher abge­schlossen war
1197
-1200
Bernhards Eintritt in die Zisterze Marienfeld
1207Bernhard ist in einer Papstbulle eindeutig als Zister­zienser-Mönch und ehe­maliger Edel­herr belegt: damit ist der Ordens­status gesichert
1211Bernhard reist mit Bischof Albert von Riga nach Livland (heute Estland und Lett­land) und er­scheint dort als designier­ter Abt von Düna­münde. Noch vor der Abts­weihe bewährt er sich mili­tä­risch durch eine Sperr­aktion gegen fliehende estnische Raub­schiffe
1211
-1218
Amtszeit als Abt von Dünamünde: Bernhard ist nur zeit­weise vor Ort und wirbt häufig im Reich für Kreuz­fahrer, Geld und Aus­rüstung. Dünamünde fungiert als Missions­zentrum, Herberge und logis­tischer Knoten der Livland-Fahrer
1217Rückkehr nach Livland und Sieg bei Fellin; Bernhard führt gemein­sam mit Verbünde­ten eine vereinigte Streit­macht. Fellin wird später als christ­licher Stütz­punkt ge­sichert und steht symbo­lisch für die mili­tä­rische Konsoli­dierung in Estland
1218Bernhard steigt zum Bischof auf: Albert von Riga richtet für ihn das Missions­bistum Selonien ein. Ein stabiler Bischofs­sitz ist wegen der mili­tä­rischen Lage jedoch dauer­haft schwer durch­setzbar
1218Bernhards Sohn Otto (Bischof von Utrecht) weiht Bernhard in Olden­zaal zum Bischof. Kurz darauf weiht Bern­hard zu­sammen mit Otto seinen Sohn/Bruder Gerhard zum Erz­bischof von Bremen-Hamburg (1219)
1222
-1223
Nach großem Esten-Aufstand trifft Bernhard mit beson­ders großem Pilger­heer in Livland ein und führt die Rück­erobe­rung Fellins an. Er fungiert dabei zeit­weise als Statt­halter Bischof Alberts im Baltikum
1223Mesothen wird als faktischer Aufenthalts- bzw. Sitz­bereich Bernhards greifbar; ein geord­neter Bistums­aufbau bleibt wegen der Lage schwierig. Pfarr­organi­sation und Dom­kapitel ent­stehen zu seinen Leb­zeiten nicht
1224Tod von Bernhard II. in Mesothen (Über­liefe­rung: letzte April-Tage 1224). Bestattung in Düna­münde; sein Bistum geht später unter bzw. wird um­organi­siert

Am Lebenslauf von Bernhard II., insbeson­dere der zwei­ten Lebens­hälfte, er­kennt man auch die Umbruchs­zeit des Hoch­mittel­alters, in der sich Herr­schaft, Frömmig­keit und Gewalt neu ver­bun­den haben. Bernhard wurde durch seine Doppel­rolle zu einer viel­schich­ti­gen Person im Be­reich welt­li­cher Macht­politik und geist­li­cher Mission.

Durch die Stadtgründungen von Lipp­stadt und Lemgo, Burgen­bau und geziel­te Herr­schafts-Ausdeh­nung schuf er die Basis einer dauer­haf­ten Landes­herr­schaft. Damit ge­hört er zu den prägen­den Gestal­ten der west­fäli­schen Landes­bildung im 12. Jahr­hun­dert. Ohne sein Wirken wäre die spätere Ent­wick­lung zur Graf­schaft Lippe und schließ­lich zum Fürsten­tum Lippe kaum denk­bar ge­wesen.

Nach seinem späteren Ordenseintritt und Auf­stieg zum Abt und Missions­bischof erwei­tert er sein Handlungs­muster: Auch im geist­lichen Stand blieb Bern­hard ein Mann der Tat, der die Missio­nie­rung als poli­tisch-mili­tä­ri­sche Auf­gabe ver­stand. In Liv­land agierte er als Diplo­mat, Feld­herr und Kreuz­zugs-Prediger zugleich und wurde zu einem der maß­geb­li­chen Akteu­re der gewalt­samen Chris­tia­ni­sie­rung des Balti­kums.

Er verkörpert damit in besonde­rer Schärfe die Logik seiner Zeit, in der christ­liche Frömmig­keit und Krieg nicht als Wider­spruch empfun­den wurden. Sein Lebens­weg zeigt, wie eng im Hoch­mittel­alter reli­giöse und poli­tische Ord­nung mit­ein­ander ver­floch­ten waren.


Text: Jörg Rosenthal, 2026
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